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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2019
Die Kunst, den Kapitalismus zu verändern
Eine Annäherung in fünf Schritten
Der Inhalt:

Das etwas andere Wirtschaftswunder

von Anna Gyapjas vom 24.05.2019
Frauen gründen anders. Doch die Wirtschaftswelt ist immer noch auf männliche Gründer ausgerichtet. Was Gründerinnen brauchen, sind Vernetzung und Unterstützung. Ein Berliner Gemeinschaftsbüro nur für Frauen füllt diese Lücke

Tischkicker, flexible Arbeitszeiten, auf Du mit dem Chef: Sogenannte »Start-ups«, junge Unternehmen mit einer innovativen Geschäftsidee, tun gerne gelassener als herkömmliche Arbeitgeber. Dabei geht es hinter der coolen Fassade ums Überleben: Mehr als achtzig Prozent der Neugründungen gehen während der ersten drei Jahre ein. Nur eines von zehn Start-ups hält durch. Scheitern ist Alltag, Erfolg grenzt an ein Wunder. Noch wundersamer, wenn das Start-up einer Frau durchstartet: Laut einer Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau machen Gründerinnen kaum ein Drittel der Szene aus. Auch werden öffentliche Fördergelder sowie Wagniskapital privater Investoren häufiger an Männer vergeben, obwohl von Frauen gestartete Jungunternehmen statistisch gesehen bessere Renditechancen aufweisen.

So gesehen ist die Berlinerin Shaghayegh Karioon eine Wunderfrau. Ihr erstes Start-up, der Coworking-Space »Amapola«, wird demnächst drei Jahre alt. Das Tagesgeschäft läuft mittlerweile ohne ihr Beisein, sodass sich Karioon seit Juli 2018 um ihren zweiten Standort kümmert: »Wonder Coworking«, ein Gemeinschaftsbüro für Frauen. Davon träumte die 37-Jährige schon vor fünf Jahren, als Angestellte eines Anbieters flexibler Bürolösungen. Der freundschaftliche Ton unter Kolleginnen inspirierte sie, Coworking-Angebote für Frauen zu suchen, fündig wurde sie hierzulande nicht. Also setzte die studierte Soziologin das passende Geschäftsmodell auf.

Ihr Umfeld reagierte kritisch: Ob sie nicht mal überlegen wolle, wieso es das nicht gebe? Dass sie ein Geschäft in der Nische plante, wurde nicht als Wettbewerbsvorteil bewertet, sondern als »emanzenhafte« Abgrenzung. »Ich fand die Reaktionen unfair, aber female empowerment war damals noch nicht so im Fokus«, sagt Karioon. Sie tat Geldgeber und eine Immobilie auf. Zugetraut hatte ihr das keiner.

Dabei erfreut sich das Coworking in gemeinschaftlichen Büros, die man sich mit Fremden teilt, seit Jahren wachsender Beliebtheit. Diese neue Form der Arbeit blüht vor allem in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München auf und wird insbesondere von Kleinunternehmern aus der IT-Branche, Kreativen und Freiberuflern aus Medienberufen genutzt. Wer gründet, braucht anfangs oft nur einen Laptop und einen Schreibtisch, wobei schon Letzteres optional ist, ein Tisch im Café oder ein Sofa tut es schließlich auch. Entsprechend wohnliches Interieur

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