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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2019
Die Kunst, den Kapitalismus zu verändern
Eine Annäherung in fünf Schritten
Der Inhalt:

Das Leib-und-Seele-Gespräch: »Cindy war keine tragische Figur«

Ilka Bessin lebte jahrelang von Hartz IV. Dann zog sie einen pinken Jogginganzug an, machte Witze über ihr Leben in der Arbeitslosigkeit und wurde als »Cindy von Marzahn« berühmt. Jetzt hat sie ihr rosa Gefängnis verlassen

Publik-Forum: Frau Bessin, Sie sind als »Cindy aus Marzahn« bekannt geworden, das war die übergewichtige Arbeitslose, die stets einen pinken Jogginganzug trug. Warum haben Sie diese Rolle erfunden?

Ilka Bessin: Ich war arbeitslos und lebte von Hartz IV. Da habe ich mich als Kellnerin im Quatsch Comedy Club in Berlin beworben. Dort sollte ich den Gästen Speisen und Getränke servieren und dabei mit ihnen herumalbern, was ich gut kann. Bei der Bewerbung hatte ich zufällig den Mann an der Strippe, der die Talentschmiede des Clubs organisierte. Er hat mich eingeladen, bei der Quatsch Talentschmiede mitzumachen.

Und dann?

Bessin: Ich bin also als »Cindy von Marzahn« aufgetreten – und habe 2005 das Jahresfinale gewonnen. Danach plante ich, öfter mal als Comedian aufzutreten, um ein bisschen was zu meinem Hartz IV dazuzuverdienen. Doch Cindy hatte bald eine wöchentliche Live-Show bei RTL, ging deutschlandweit auf Tour. Mit diesem Erfolg hatte ich nicht gerechnet …

Cindy hatte weder auf dem Arbeitsmarkt Erfolg noch bei Männern. War sie eine tragische Figur?

Bessin: Was? Nein! Das sagen ja viele Leute, aber Cindy hat sich selbst nicht so gesehen. Sie hat auf der Bühne erzählt, wie sie so mit ihrem Hartz-IV-Leben zurechtgekommen ist. Obwohl sie durch viele Höhen und Tiefen gegangen ist, war sie stets lebensfroh. Sie hat sich die Welt so gemacht, wie sie ihr gefiel, eine moderne Pippi Langstrumpf.

Der Ostberliner Plattenbaubezirk Marzahn gilt als sozialer Brennpunkt. Warum haben Sie C