Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2019
Die Kunst, den Kapitalismus zu verändern
Eine Annäherung in fünf Schritten
Der Inhalt:

Anti-Missbrauchs-Gesetze in Kirche und Staat

vom 24.05.2019

Papst Franziskus hat das Kirchenrecht verschärft, um sexuelle Gewaltverbrechen von Klerikern schneller und konsequenter zu ahnden. Vom 1. Juni an müssen Priester und Ordensleute jeden Verdacht auf sexuelle Gewalt ihren Vorgesetzten anzeigen. Vertuschung und Nichtanzeige gilt nun als Straftat. Gehen Bischöfe einem Fall nicht nach, werden sie kirchenrechtlich belangt. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller, der vom Missbrauchsgipfel im Vatikan sehr enttäuscht war, sagte im Deutschlandfunk: »Der Papst ist einen wesentlichen Schritt vorangekommen.« Das Dekret sei »absolut verbindlich«. Nun komme es darauf an, wie konsequent Rom das neue Gesetz anwendet. Opferverbände kritisieren, dass Fälle sexueller Gewalt nicht automatisch an die staatliche Justiz gemeldet werden müssten. Allerdings wollen nicht alle Opfer, dass ihr Fall publik wird. In manchen Staaten ist zudem das Leben von Täter und Opfer in Gefahr, vor allem wenn es sich um eine homosexuelle Beziehung handelt.

Unterdessen wird Polen von einer weiteren Missbrauchswelle erschüttert. Die zweistündige Dokumentation »Sag es bloß niemandem« von Tomasz Sekielski, die teils mit versteckter Kamera gefilmt wurde, zeigt Begegnungen von Opfern pädophiler Priester mit ihren einstigen Peinigern. Manche gestehen ihre Schuld und bieten Geld, andere bleiben uneinsichtig. Dokumentiert wird auch, wie pädophile Priester immer wieder versetzt wurden und so in Kontakt mit neuen Kindern kamen. Der zweistündige Film wurde mittlerweile fast 18 Millionen Mal auf Youtube angesehen. Als Reaktion verschärfte die Regierung die Gesetze. Die Höchststrafe für Kindesmissbrauch liegt nun bei dreißig Jahren Haft. Bei besonders schweren Fällen gibt es keine Verjährungsfrist. Der Primas von Polen, Erzbischof Tomasz Polak, bat öffentlich um Vergebung und kündigte einen Entschädigungsfonds an.

In Deutschland hat Klaus Mertes, Rektor des Jesuitenkollegs Sankt Blasien, von der Universität Freiburg die theologische Ehrendoktorwürde erhalten. Mertes hatte sich 2010 bemüht, die sexuellen Gewalttaten durch Jesuiten am Canisius-Kolleg in Berlin aufzuarbeiten. Dabei erfuhr eine breite Öffentlichkeit erstmals vom Missbrauchsskandal in kirchlichen Einrichtungen. Das löste eine beispiellose Kettenreaktion aus. Innerkirchlich wurde Mertes scharf kritisiert und

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen