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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2018
Frieden in einer irren Welt
Katholikentag 2018: Ängste, Ideen, Sehnsüchte
Der Inhalt:

»Sie glauben wieder an die Zukunft«

Armenien nach der friedlichen Revolution: Wie geht es jetzt weiter? Fragen an Südkaukasus-Expertin Nino Lejava

Publik-Forum: Frau Lejava, nach friedlichen Demonstrationen hat Oppositionsführer Nikol Paschinjan nun Regierungsverantwortung. Welche Politik wird er machen?

Nino Lejava: Ihm ist es mit einer Gruppe von jüngeren Politikern gelungen, die Bevölkerung nach Wahlfälschungen und Korruption wieder an ihre Zukunft glauben zu lassen. Er gehörte ja einer kleinen Fraktion an, die seit zwei Jahren im Parlament sitzt. Das ist eine liberale Fraktion, die das Prinzip des kleinen Staates propagiert. Das neue Kabinett ist bunt zusammengewürfelt. Da sind die politischen Aktivisten, aber auch Vertreter aus der vorigen Regierung. Sie müssen eine neue Reformstrategie für das Land entwickeln. Das wird schwierig.

Die Menschen sind ja gegen Korruption auf die Straße gegangen …

Lejava: Ja, aber genauso wichtig ist die Armut. 30 Prozent leben unterhalb der Armutsgrenze, 18 Prozent sind arbeitslos, 50 Prozent haben keine stabilen Einkommen. In den letzten Jahren sollen zehn Prozent der 2,9 Millionen Einwohner das Land verlassen haben. Eine gut ausgebildete junge Generation ist ohne Aussicht auf Demokratie und wirtschaftlichen Aufschwung. Um dem gerecht zu werden, braucht Armenien Reformen und freie Wahlen. Das ist das Hauptversprechen von Paschinjans Interimsregierung. Er muss die Gesetzgebung ändern, um Wahlbetrug auszuschließen.

Was ist der Grund für die Not?

Lejava: Das hat teilweise mit dem Zerfall der Sowjetunion vor fast dreißig Jahren und einer nicht wirklich funktionierenden Marktwirtschaft zu tun. Armenien ist auch durch den Krieg um Berg Karabach gebeutelt. Zudem