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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2018
Frieden in einer irren Welt
Katholikentag 2018: Ängste, Ideen, Sehnsüchte
Der Inhalt:

Streitfragenzur Zukunft: Muss unser Lebensstandard sinken?

von Niko Paech vom 25.05.2018
Ja, denn unser Wohlstand beruht auf der Plünderung von Natur und künftigen Generationen Dies ist kein Verzicht, sondern die Rückgabe der Beute, die wir uns rücksichtslos angeeignet haben

Die menschliche Zivilisation steht am ökologischen Abgrund. Ein Überlebensprogramm könnte nur darin bestehen, jenen materiellen Wohlstand, der ohne Zerstörung innerhalb irdischer Grenzen verantwortet werden kann, gerecht auf alle Erdbewohner zu verteilen. Schon in seiner Schrift »Zum ewigen Frieden« hatte der Philosoph Immanuel Kant 1795 für ein Weltbürgerrecht plädiert, dessen Übertragung auf die Gegenwart bedeuten könnte, dass Gerechtigkeit nicht zwischen Staaten oder Kontinenten, sondern nur zwischen Menschen zu beschreiben ist. Dann lautet die Frage: Welcher Reichtum kann einem einzelnen Individuum maximal zustehen, ohne dass es sich mehr aneignet, als der (Welt-)Gesellschaft als Ganzes zuträglich sein kann? Ohne Anspruch darauf, den Dschungel zeitgenössischer Gerechtigkeitsdiskurse zu lichten, soll nachfolgend begründet werden, dass eine Obergrenze für die Güterausstattung einzelner Menschen unabdingbar für eine globale nachhaltige Entwicklung ist.

Um die Entstehung materiellen Reichtums ranken sich viele sozialwissenschaftliche Narrative. Sie begründen nahezu ausnahmslos, dass der seit Beginn des industriellen Zeitalters sensationell gewachsene Wohlstand direkt oder indirekt das Werk menschlicher Schaffenskraft sei. Ganz gleich, ob er durch geleistete Arbeit, Wissen, Erfindungsreichtum, innovative Technologien, Organisationsprinzipien, Eigentumsinstitutionen oder die Effizienzeigenschaften des Marktes zustande kam. Damit wird suggeriert, der Wohlstandszuwachs speise sich aus gestiegener Arbeitsproduktivität. Demnach ließen sich aus einem bestimmten Ressourceneinsatz durch Hinzufügung menschlicher Arbeit und Kreativität beständig neue Güter erzeugen, die als Überschuss und somit legitime Verteilungsmasse entsprechend geltender Gerechtigkeitsvorstellung an jene ausgeschüttet werden könnten, die an seiner Entstehung mitgewirkt haben.

Tatsächlich handelt es sich bei dem vermeintlichen »Überschuss« jedoch um systematischen Substanzverzehr. Denn würde der seit vorindustriellen Zeiten kolossal gewachsene materielle Output aus menschlicher Arbeit resultieren, müsste sich die physische Produktivität eines menschlichen Körpers seither potenziert haben. Aber in Konsumgesellschaften haben nie zuvor so wenige Menschen mit derart geringem körperlichen Einsatz »gearbeitet«. Woher also stammt die märchenhafte Differenz zwischen physischer menschlicher Arbeit und physischem Wohlstand?

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