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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2017
Die Tücken des fairen Handels
Im Norden boomt Fair Trade - im Süden wächst die Kritik
Der Inhalt:

Wie geht’s den Meeren?

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 26.05.2017
Jedes Jahr am 8. Juni wird der Tag des Meeres gefeiert. Doch gibt es Grund zum Feiern? Ein Gespräch mit dem Meeresökologen Mark Lenz

Publik-Forum: Herr Lenz, die Ozeane sind überfischt, verschmutzt und vermüllt. Gibt es eigentlich auch noch positive Nachrichten?

Mark Lenz: Das Bild ist tatsächlich eher düster. Es gibt allerdings positive Effekte bei Meeresschutzgebieten, zum Beispiel in den Gewässern der Palauinseln im Pazifik. Wenn eine Zone geschützt ist, erholen sich die Fischbestände und die Gebiete relativ schnell. Das zeigt: Wenn man vernünftig Meeresmanagement betreibt, bringt das wirklich was. Nur ist die Politik leider nicht so ausgerichtet: Über Empfehlungen, die Fischereiquoten zu senken oder die Fischerei in einigen Gebieten für ein paar Jahre ruhen zu lassen, setzen sich die regierenden Politiker immer wieder hinweg – auch in Deutschland und Europa.

Wie geht es den Weltmeeren heute im Vergleich zu 1950?

Lenz: Die Situation hat sich verschlechtert. Bei uns hat allerdings ein Umdenken stattgefunden, und dank unserer Technologie gelangt in Europa kaum noch Müll ins Meer im Vergleich zu anderen Weltregionen. Das Meeresmüllproblem entsteht hauptsächlich in Asien, Afrika und Lateinamerika. Dort gibt es ja in vielen Gegenden noch keine funktionierende Müllabfuhr. Da kommt es jetzt auf einen Transfer der Technologie an. China kauft bereits Müllverbrennungsanlagen aus Europa.

Das Projekt »The Ocean Cleanup« von Boyan Slat hat für Furore gesorgt. Er will den vorhandenen Plastikmüll aus den Meeren fischen. Ist das sinnvoll?

Lenz: Nein, das ist nicht sinnvoll. Slat setzt am falschen Ende an – nämlich da, wo der Weg des Mülls endet, auf dem offenen Ozean. Dort Plastik einzusammeln, halte ich für viel zu aufwendig, teuer und ineffizient. Hinzu kommt das Problem des Beifangs: Mit seinem System fischt man nicht nur Plastik, sondern auch Tiere aus dem Meer. Viel wichtiger wäre es, schon an Land anzusetzen. Wir müssen verhindern, dass der Müll überhaupt in die Flüsse und von dort ins Meer gelangt. Das System von Slat, eine Art »Meeresmüllsammler«, könnte aber gut an Flussmündungen eingesetzt werden. Das wäre sehr viel zielführender, denn dort ist das Plastik noch hoch konzentriert und weniger kleinteilig als im Meer.

Was halten Sie von der Idee, plastikfressende Bakterien einzusetzen?

Lenz: Davon halte

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