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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2017
Die Tücken des fairen Handels
Im Norden boomt Fair Trade - im Süden wächst die Kritik
Der Inhalt:

»Und die Ernte teilen wir«

Manja Rupprecht pflanzt, gießt und erntet mit Gleichgesinnten im Stadtgarten Nürnberg. Es gibt weder eigene Beete noch Besitz. Am Samstag wird aus der Ernte der Woche ein gemeinsames Essen gekocht

Mich nerven Supermärkte mit glatt poliertem Obst und Gemüse ohne Geschmack. Seit ich im Stadtgarten in Nürnberg-Eberhardshof mitarbeite, genieße ich es, im Juni frische Erdbeeren zu pflücken und im Sommer sonnenwarme Tomaten zu ernten – so wie sie gewachsen sind. Durch das Gärtnern habe ich auch gelernt, dass es Pestizide und Hybrid-Saatgut nicht braucht. Im Stadtgarten pflanzen, gärtnern und gießen wir gemeinsam. Es gibt weder »eigene« Beete noch »Besitz«. Die Ernteerträge teilen wir.

Unsere Pflanzen wachsen in großen Holz- und Plastikkisten auf einem ehemaligen Parkplatz – allein vierzig alte Tomatensorten, fast zwanzig Chiliarten und 15 Kartoffelsorten. Wir haben auch drei Bienenvölker. Ich selbst kümmere mich vor allem um die Tomaten, gelte hier deshalb als die »Tomatentante«. Mein Herz hängt aber an den Erdbeeren. Eine Sorte stammt aus dem Garten meines Vaters in Dresden und bedeutet für mich ein Stück Heimat.

Gegossen werden die Pflanzen, wenn nötig, jeden Tag. Zum Gärtnern trifft sich unser Team aus rund 25 sehr Aktiven und gut 40 Aktiven an drei Tagen pro Woche. Jeden Samstag kochen wir gemeinsam auf dem sogenannten Dorfplatz. Jetzt im Frühjahr kaufen wir noch Lebensmittel dazu, in der Hauptsaison genügen uns die Erträge aus dem Stadtgarten. Gäste sind willkommen, wir wollen Raum für Begegnung schaffen – zum Beispiel auch bei Festen und Kochworkshops. Für Kindergärten bieten wir Projekttage an. Im Stadtgarten Nürnberg vereinen sich zwei Konzepte: »Urban Gardening« und das Prinzip der Gemeinschaftsgärten. Urbaner Gartenbau ist so alt wie die Städte selbst. Das Prinzip der Gemeinschaftsgärten ist eine junge Bewegung und begründet sich auf dem Wunsch nach mehr Selbstbestimmung in einer globalisier