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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2017
Die Tücken des fairen Handels
Im Norden boomt Fair Trade - im Süden wächst die Kritik
Der Inhalt:

Komplexe Traurigkeitssongs

von Claudius Grigat vom 26.05.2017

Folk-Pop. Nur zu gerne wird Will Stratton mit dem legendären Nick Drake verglichen. Und der Vergleich hinkt eigentlich nur an einer Stelle wirklich: Will Stratton, gerade dreißig geworden, kommt nicht aus England, sondern von der anderen Seite des Atlantiks: Der Dreißigjährige lebt im Staat New York. Ansonsten gibt es einige Übereinstimmungen, von der sanften und doch markanten Stimme über die offenen Gitarrenstimmungen und oft kurzen, auf den ersten Eindruck fast skizzenhaft-verspielten Songs bis hin zu dieser grübelnden Traurigkeit, die einem tief in die Knochen fährt und dort doch ein warmes Gefühl hinterlässt. Eine Zeit lang sah es so aus, als würde Stratton mit 26 Jahren, im gleichen Alter, in dem sich Drake das Leben nahm, dem Krebs erliegen. Die Erfahrung dieses letztendlich siegreichen Kampfs um sein Leben hat ihre Spuren in vielen Songs des studierten Musikers und Philosophen Stratton hinterlassen. Das andere, was sich in den Texten wiederfindet, ist das Amerika, in dem er in diesen Zeiten lebt. Im Präsidentschaftswahlkampf hat er einen Abschnitt aus Adornos Aufsatz »Antisemitismus und faschistische Propaganda« ins Netz gestellt. Er wollte damit auf gefährliche Tendenzen in Donald Trumps Politikstil aufmerksam machen. Das Einzigartige aber an den gezupften, mit Piano und Streichern verzierten melodiösen Liedern des Will Stratton ist, dass sie höchst komplex komponiert sind – und doch ganz einfach und unmittelbar wirken: Sie leuchten kurz auf und gehen dann mitten ins Herz. Bleibt zu hoffen, dass dieser großartige Songpoet – anders als Nick Drake – nicht erst entdeckt wird, wenn er bereits tot ist.

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