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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2017
Die Tücken des fairen Handels
Im Norden boomt Fair Trade - im Süden wächst die Kritik
Der Inhalt:

»Allah liebt die Schönheit«

Muslimisch, mutig, modebewusst: Von der Pfalz bis ins Heilige Land boomt der Modetrend »Modest Fashion«

Ausgerechnet Germersheim. In dem kleinen Städtchen in der Pfalz mit seinen Fachwerkhäusern und verwinkelten Gässchen erwartet man vieles – aber keine muslimische Modedesignerin. Doch genau hier, gegenüber dem Blumenladen, hat Meriem Lebdiri ihr Studio. »Mizaan«, steht an der Wand geschrieben, das ist Arabisch und bedeutet »Balance«. So heißt die Marke der gelernten Modedesignerin, die sie zusammen mit ihrer Schwester Selma betreibt. An diesem Samstagmorgen ist ein Fotoshooting angesetzt. Meriem Lebdiri atmet tief durch. Erst sind ihr kurzfristig die Models abgesprungen, dann heute früh die Babysitterin. Nun stecken die beiden Models, die sie auf die Schnelle neu gefunden hat, im Stau; der Zug, in dem der Fotograf anreist, hat Verspätung, und die Journalisten stehen schon vor der Tür. Aber Lebdiri lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, serviert Muffins und Couscous-Salat – und erzählt.

Sie macht seit 2010 Mode, aber lange hat das niemanden interessiert. Die 29-Jährige macht Modest Fashion, auf Deutsch: »bescheidene Mode«. Es ist Mode für Frauen, die weniger statt mehr Haut zeigen wollen. Gläubigen Frauen, vor allem Musliminnen, will sie die Möglichkeit geben, sich religiösen Regeln entsprechend und gleichzeitig schick zu kleiden. Aber Lebdiri schneidert keine Abayas, knöchellange Roben, wie sie in Saudi-Arabien üblich sind. »Ich mache europäische Mode für die Frau von heute«, betont sie. »Ohne Glitzer, sondern schlicht und elegant, sodass ich mich als Deutsche darin wohlfühle. Frauen sollen sich stark fühlen, wenn sie meine Mode tragen, und all ihre Identitätsfragen und Ängste ablegen können.« Den Ausdruck »muslimische Mode« mag Lebdiri nicht. Sie designt für alle Frauen,