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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2016
Hoffnung für die Stadt
Theologe Jürgen Moltmann über Christsein in den kapitalistischen Metropolen
Der Inhalt:

Öffentliches Ärgernis?

von Thala Linder vom 27.05.2016
Moscheen werden in Europa häufiger gebaut, doch seltener geliebt: Warum?

»Öffentliches Ärgernis? Moscheebaukonflikte in Deutschland, Österreich und der Schweiz«: So lautet der Titel eines neuen Buches, herausgegeben von Reinhold Bernhardt und Ernst Fürlinger. Als es im Trendquartier Zürich-West vorgestellt wird, erinnert die Schweizer Islamwissenschaftlerin Rifa’at Lenzin dort daran, dass sie im Jahr 2009 kaum Sponsoren für Plakate der Gegenkampagne zur Schweizer Minarettverbotsinitiative fand: »Damals konnte sich niemand vorstellen, dass ein solches Verbot angenommen würde.« Doch das Minarettverbot kam. Eine Mehrheit der Schweizer stimmte dafür.

Rifa’at Lenzin zeigt ein unveröffentlichtes Plakat, auf welchem die Schweizerflagge im Flaggenverband mit Staaten ohne Religionsfreiheit zu sehen ist. »Ich weiß nicht, ob man sich in dieser Gesellschaft wohlfühlt«, meint Lenzin. Nun sei die Schweiz neben Nordkorea das einzige Land mit Minarettverbot.

Das vorliegende Buch beschreibt die Auseinandersetzungen, die rund um den Bau von Moscheen in Deutschland, Österreich und der Schweiz entstanden. Bernhardt sagt an diesem Tag, in Deutschland spielten sich die Konflikte – anders als in Österreich und der Schweiz – vorwiegend auf lokaler Ebene ab; eine bundesweite islamophobe Stimmungspartei sei ja nicht existent. Doch diese Einschätzung stimmt nicht mehr, seit die AfD jüngst machtvoll auf den Plan getreten ist. Mittlerweile hat sie ihr Grundsatzprogramm als Bundespartei verabschiedet. Darin finden sich Sätze wie »Der Islam gehört nicht zu Deutschland« sowie der Wunsch nach einem strikten Verbot des Baus von Minaretten.

Religionswissenschaftlerin Gerdien Jonker schildert in Zürich, wie sich die Narrative zum Islam verändert haben: Während früher muslimische Intellektuelle in Europa gern gesehen gewesen seien, überwiege heute das Bild eines gewalttätigen Islams. Diese Veränderung hebt auch Martin Baumann, Religionswissenschaftler und Autor des Beitrags über die Schweiz, hervor. Er schildert, wie drei Moscheen im 20. Jahrhundert im Beisein von Regierungsvertretern eingeweiht wurden, während im 21. Jahrhundert schon kleinste Minarette großen Zündstoff böten.

Nikola Tietze zeigt im Buch aufschlussreich den soziologischen Hintergrund der Konflikte auf. So wurden in Deutschland Muslime lange als Gastarbeiter wahrgenommen; ihre Religionspraxis spielte sich in Wohnheimen und Hinterhöfen ab. Mit der Sichtbarwerdung durch den

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