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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2016
Hoffnung für die Stadt
Theologe Jürgen Moltmann über Christsein in den kapitalistischen Metropolen
Der Inhalt:

Buch des Monats: Fair Play ist möglich

von Norbert Copray vom 27.05.2016
Wie man die unmoralischen Gesetze des Marktes aufdecken kann

Evi Hartmann
Wie viele Sklaven halten Sie?
Über Globalisierung und Moral. Campus. 224 Seiten. 17,95 €

Mit ihrem Titel »Wie viele Sklaven halten Sie?« trifft Evi Hartmann ins Schwarze. Leicht lesbar und bisweilen launig, alltagsnah und wissenschaftlich fundiert schreibt sie über Globalisierung und Moral. Dabei meint die Professorin für Betriebswirtschaftslehre in Erlangen-Nürnberg, die sich auf Wertschöpfungs- und Lieferketten von Firmen spezialisiert hat, ihren Buchtitel keinesfalls metaphorisch. Die Sache »ist bitterer Ernst«. Denn durch Zwangsarbeit in all ihren Formen »werden nach Schätzung der International Labour Organization (ILO) jährlich 150 Milliarden US-Dollar verdient«; erarbeitet von Menschen, die von den Löhnen nicht leben können.

Man schätzt, dass 21 Millionen Männer, Frauen und Kinder in Zwangsarbeit als »moderne Sklaven« gefangen gehalten werden. Wer denkt, dass moderne Sklaverei ausschließlich ein Problem der Dritten Welt sei, täuscht sich gewaltig. Den meisten Gewinn bringen die »Lohnsklaven« in den Industriestaaten. Allein dadurch, dass man Kleidung trägt, Nahrung zu sich nimmt, ein Auto fährt oder ein Smartphone besitzt, »arbeiten ungefähr sechzig Sklaven für Sie und mich«, stellt Hartmann fest.

Auf www.slaveryfootprint.org kann man herausfinden, wie viele Sklaven für den je eigenen Lebensstil schuften. Doch versklavende Wirtschaft ist kein Schicksal: Es muss nicht so bleiben und kann geändert werden. Darum geht es Hartmann: Sie will zeigen, wie die moderne Sklaverei zu unseren Gunsten funktioniert und in welchen Zusammenhängen wir damit zu tun haben. Sie schält die 14 amoralischen und unmoralischen »Spielregeln der Globalisierung« heraus. Sie lauten zum Beispiel: Das Spiel ist mächtiger als die Spieler; der Spieler darf seine Macht nicht erkennen; wer die Spielregeln infrage stellt, ist verrückt, unrealistisch, ein Kommunist oder Nationalist, ein schlechter Teamplayer, ein Nestbeschmutzer oder ein Verhinderer des Fortschritts.

Evi Hartmann zeigt, dass wir – die Mitspieler – eben nicht machtlos sind. Dazu müssen wir aber ein Tabu brechen und uns mitunter sogar lächerlich machen. Dieses Tabu heißt: Moral in der Wirtschaft. Denn die »Grundsätze der Globa

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