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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2016
Hoffnung für die Stadt
Theologe Jürgen Moltmann über Christsein in den kapitalistischen Metropolen
Der Inhalt:

Diese Landwirtschaft tötet

von Barbara Tambour vom 27.05.2016
Milchbauern vor dem Aus, massenhaftes Kükenschreddern, Ackern mit der Giftkeule – der Preis für dieses Agrarsystem wird immer höher

Mit den Worten »Diese Wirtschaft tötet« schockte Papst Franziskus die Öffentlichkeit. Derzeit zeigt sich wie selten zuvor, dass auch diese Landwirtschaft tötet – Pflanzen, Tiere und menschliche Existenzen. Jedes Jahr werden in Deutschland vierzig bis fünfzig Millionen männliche Küken der Legerassen getötet. Gleich nach dem Schlüpfen. Sie gelten als wertlos, weil sie keine Eier legen. Und zur Mast eignen sie sich nicht, weil diese Rassen einseitig fürs Eierlegen gezüchtet wurden. Der Tierschutz steht dem Kükentöten nicht entgegen. Das zumindest hat gerade das Oberverwaltungsgericht Münster entschieden. Also wird weiter geschreddert.

Diese Landwirtschaft tötet nicht nur Tiere, sondern auch menschliche Existenzen. Besonders betroffen sind die Milchbauern in Deutschland. Sie erhalten von den Molkereien für den Liter konventionelle Milch nur 23 Cent, teils weniger. Um ihre Kosten zu decken, benötigen sie aber 40 Cent. Viele Höfe werden diese Krise nicht überleben. Schuld daran ist eine Agrarpolitik, die auf Markt und Masse setzt. Der Grund für den niedrigen Milchpreis ist ein Überangebot an Milch in Deutschland, in der EU und weltweit. Große Mengen Milch werden in den USA, Neuseeland und Australien produziert und in Form von Milchpulver global angeboten.

Kaum ein Milchbauer, der nicht schon längst hochverschuldet ist, weil er den Stall vergrößert, die Zahl der Kühe erhöht, in neue Melkanlagen und in Maschinen für die Arbeit auf dem Grünland investiert hat, nach dem Motto: »Wer nicht wächst, der weicht.« Doch die Hoffnung, mit mehr Milch mehr Geld zu verdienen, hatten zu viele. Das lässt den Milchpreis sinken. Hinzu kommt: Die Nachfrage aus China geht zurück, Russland hat ein Importverbot für Lebensmittel verhängt. Doch statt die Milchmenge zu begrenzen, setzt die Bundesregierung neben kurzfristigen Hilfen für Landwirte, die ihre Schulden nicht mehr zahlen können, auf Absatzförderung, sprich auf Marketing. Wenn das dazu dient, den Export in Entwicklungsländer zu erhöhen, geht es dort zahlreichen Kleinbauern an den Kragen. Diese Landwirtschaft tötet nicht nur hier.

Sie schadet zudem der Artenvielfalt und setzt massenhaft Gifte ein, deren Gefahren gerne kleingeredet werden. Allen voran das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat: Äcker werden vor der Bepflanzung mit jungen Erdbeersetzlingen damit gespritzt, zwisc

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