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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2016
Hoffnung für die Stadt
Theologe Jürgen Moltmann über Christsein in den kapitalistischen Metropolen
Der Inhalt:

Aufgefallen: Die Saubermacherin

von Michael Damm vom 27.05.2016
Laura Kövesi ist die mächtigste Frau Rumäniens. Viele hassen sie, denn die Staatsanwältin bekämpft die Korruption

Laura Kövesi findet die Zeichnungen durchaus passend, die die Schülerinnen und Schüler für sie gezeichnet haben. Dabei haben es die Bilder in sich. Eine Schülerin hat eine Vogelscheuche gezeichnet, die die Waage der Justiz mit verbundenen Augen in der Hand hält. Gleich mehrere Bilder zeigen den Heiligen Georg bei seinem Kampf gegen den mehrköpfigen Drachen. Abschreckend? »Nein!«, sagt Rumäniens oberste Staatsanwältin. »Schließlich sind wir hier, um mit dem Verbrechen aufzuräumen.« Sie freut sich über den Besuch der Schulklasse. Die Zeichnungen und Bilder werden künftig die Wände des massiven Baus zieren, in dem die rumänische Sonderabteilung zur Bekämpfung der Korruption (DNA) in Bukarest untergebracht ist.

Laura Kövesi wirkt wie eine kühle Juristin, und sie ist das auch. Doch gerade deshalb ist sie erfolgreich und beliebt. Seit dem 17. Mai 2013 leitet sie die rumänische Antikorruptionsbehörde und geht konsequent, »aber auch konsequent rechtsstaatlich«, wie sie selbst sagt, gegen Korruption vor. Seit ihrem Amtsantritt brachte sie 1250 Personen vor Gericht – wegen Betrugs, Bestechung, Begünstigung, wegen der Annahme von Bestechungsgeldern, wegen Steuerhinterziehung oder Geldwäsche. Darunter befinden sich 5 Regierungsmitglieder und 21 Parlamentarier.

Die 43-jährige Juristin ist nicht der Typ Frau, der – gerade in Rumänien – geliebt wird. Dazu ist die kinderlose, geschiedene ehemalige Profi-Basketballspielerin zu zielstrebig – Kritiker sagen: zu karriereorientiert. Allerdings genießt sie in ihrem Land, aber auch in Europa, ein ungeheures Vertrauen. Nach einer Umfrage vertrauen ihr sechzig Prozent aller Rumänen. Dasselbe Ansehen genießt nur noch die rumänisch-orthodoxe Kirche, der auch Kövesi angehört. Das Parlament bringt es auf eine Vertrauensquote von gerade mal elf Prozent.

Andererseits trifft sie auch auf Widerstand und sogar Hass. Prominente Verurteilte schwören ihr Rache. Viele Kommunalpolitiker reagieren verbittert auf die Nachforschungen der Antikorruptionsbehörde. Laura Kövesi kennt das Problem: Viele Bürgermeister sind es seit Jahrzehnten gewohnt, Aufträge unter der Hand zu vergeben – vor Ort wäscht oft eine Hand die andere. »Aber diese Kultur müssen wir ändern, sonst werden wir nie ein modernes Rumänien schaffen«, sagt sie. Besonders dankbar ist sie für die Unterstützung ihrer Arbeit durch die EU-Kommission. »Ohne die Europäische Union könnten wir

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