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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2014
Klaus Mertes: Was sich in der katholischen Kirche ändern muss
Der Inhalt:

Stürme im Regenwald

von Thomas Seiterich vom 23.05.2014
In Brasilien setzt die linke Regierung auf möglichst viel Wirtschaftswachstum, koste es, was es wolle. Und es kostet viel. Zum Beispiel im Kampf um Belo Monte, den drittgrößten Staudamm der Welt

Wohlstand für möglichst viele Bürger und mehr Macht für die aufstrebende Na tion – das sind die beiden Hauptziele der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff. Es ist ein gigantisches Projekt. Dafür setzt Brasiliens Mitte-links-Regierung auf die Ausbeutung der Naturschätze und Rohstoffe. Denn das Land ist inklusive der Wälder des Amazonasgebietes, der grünen Lunge des Planeten, mit über achteinhalb Millionen Quadratkilometern der fünftgrößte Staat der Erde. Der Export von Metallen, seltenen Erden, von Gen-Soja oder Gen-Mais soll den großen Sprung von einem Entwicklungsland zu einer der führenden Nationen der Erde bewirken.

Es war der kritische Flügel der im Lande damals starken katholischen Kirche, christliche Basisbewegungen im Bunde mit der Arbeiterpartei PT und Gewerkschaften der Industriezonen um die Wirtschaftsmetropole São Paulo, die den charismatischen Arbeiterführer Luis Inácio da Silva, genannt »Lula«, zum demokratischen Wahlsieg im Oktober 2002 brachten. Gesponsert wurde die Kampagne teils von Banken und Industrie, denn in Brasilien fehlt eine staatliche Wahlkampfkostenerstattung. Mit dem Regierungsbeginn des – auch heute noch – genialen Kommunikators Lula Anfang 2003 und seiner Arbeiterpartei PT in Koalition mit kleineren Parteien begann in Brasilien ein neues Zeitalter.

Lula, 1945 in ärmsten Verhältnissen im nordostbrasilianischen Hungerleider-Staat Pernambuco geboren und dann vor dem Elend in die Fabrikwelt São Paulos emigriert, folgte dem großindustriellen Entwicklungsmodell. Er förderte überall im Land große Industrieprojekte und Großgrundbesitzer, die vor allem Futtermittel für Tiere, aber auch Früchte in alle Welt exportieren. Diese Politik ergänzte Lula durch ein »Null-Hunger«-Programm und andere soziale Maßnahmen. Für viele Brasilianer bedeutet dies etwas Wohlstand – doch für den Schutz der Natur oder für eine nachhaltige Entwicklung hatte der Präsident nie viel übrig. Seine Umweltministerinnen verließen die Regierung regelmäßig und schnell.

Die von Lula auserkorene Nachfolgerin im Präsidentenamt, die PT-Politikerin – und unter der Militärdiktatur einst inhaftierte linke Guerillera – Dilma Rousseff, setzt den industriellen Kurs fort. Und sieht sich nun unterschiedlichen Widerstandsgruppen gegenüber. Die städtischen Mittelschichten protestieren gerade vor der Fußball-WM gegen die Korruption der industriellen Oberschi

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