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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2014
Klaus Mertes: Was sich in der katholischen Kirche ändern muss
Der Inhalt:

Herr Bischof, was war da los in Plauen?

von Britta Baas vom 23.05.2014
NachgefragtKirche und Polizei: Zerstritten im Kampf gegen Rechtsextremismus?

Publik-Forum: Am 1. Mai wurde in Plauen eine Anti-Neonazi-Demonstration von der Polizei aufgelöst. Es gab Sitzblockaden vor der Pauluskirche. Als man begann, Personalien der Sitzblockierer aufzunehmen, flüchteten einige in die Kirche. Das Gebäude war offen, bewusst auch für Demonstranten; sie wurden von der Polizei herausgeholt. Sie, Herr Landesbischof, waren am 1. Mai in Plauen. Wie haben Sie das erlebt?

Jochen Bohl: Ich war nicht in der Pauluskirche, sondern in der Lutherkirche. Dort habe ich ein Friedensgebet gehalten. Als die Ereignisse stattfanden, von denen Sie sprechen, war ich bereits zu einem anderen Termin unterwegs, also nicht mehr in der Stadt.

Augenzeugen berichten, die Polizei sei gewaltsam vorgegangen. Anschließend, heißt es, sei die Kirche versiegelt worden.

Bohl: Als die Personalien der Sitzblockierer festgestellt wurden, gab es dafür eine richterliche Erlaubnis. Im Zusammenhang mit der Feststellung der Personalien sind einige Blockierer in der Tat in die Kirche gegangen. Polizisten habe diese Personen herausgeholt. Von einer Versiegelung der Kirche kann aber keine Rede sein.

Sie haben sich anschließend beim sächsischen Innenminister beschwert. Warum?

Bohl: Ich habe mich beschwert, weil das Vorgehen der Polizei aus meiner Sicht eine Grenzüberschreitung war und völlig überzogen. Ich habe den Innenminister auch darum gebeten, dass der Vorgang aufgeklärt wird und dass sich ein solches Vorgehen nicht wiederholt. Denn für uns ist die Kirche ein Gotteshaus. Das bedeutet, dass sie in besonderer Weise ein Ort der Zuflucht ist. Wir möchten von der Polizei respektiert wissen, dass der sakrale Charakter eines Kirchengebäudes etwas ist, das einem so massiven Einsatz entgegensteht.

Versteht die sächsische Polizei die Bedeutung einer Kirche als Schutzraum nicht mehr, weil sie zu säkularisiert ist?

Bohl: Rein rechtlich betrachtet genießt ein Kirchengebäude keinen besonderen Schutz. Ich betone aber die geistliche Dimension, und ich erwarte, dass diese theologische Position von der Polizei respektiert wird. Sowohl der Polizeipräsident der Polizeidirektion Zwickau, der zuständig war, als auch der Einsatzleiter haben sich übrigens für das polizeiliche Vorgehen in Pla

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