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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2014
Klaus Mertes: Was sich in der katholischen Kirche ändern muss
Der Inhalt:

Immer Ärger mit der Religion

von Hartmut Meesmann vom 23.05.2014
Viele Menschen halten das Christentum für reaktionär. Weil vielfach die Fundamentalisten das öffentliche Bild prägen

Vielfalt unter Menschen ist etwas Schönes und Gutes. Im Prinzip. Aber sie kann auch nerven. Und unliebsame Folgen haben im menschlichen Miteinander. Das muss man dann zwar oft ertragen, weil es das Menschenrecht auf Irrtum gibt. Aber gehörig ärgern sollte man sich schon dürfen. Weil: Man kann nicht ständig gelassen über den Irrtum schmunzeln. Manchmal muss man ihn auch bekämpfen.

Da sind zum Beispiel die fundamentalistischen Christen, die die Bibel nach wie vor wörtlich verstehen und damit dann auch noch rechte Politik machen. Die russisch-orthodoxe Kirche regt sich jetzt über den Sieg der österreichischen Dragqueen Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest auf. Sie sieht darin eine »kulturelle Legitimierung von Lastern in der modernen Welt«. Homosexualität und Transvestitentum seien laut Bibel »Abscheulichkeiten«, die man nicht tolerieren, geschweige denn akzeptieren könne, wird mit großer Erregung geklagt.

Auch konservativ-evangelikale Christen beschwören unter Hinweis auf einschlägige Bibelstellen immer wieder den Untergang des Abendlandes, weil immer mehr Staaten weltweit die »Homo-Ehe« gesetzlich anerkennen. Dass Homosexuelle in Uganda auf barbarische Weise verfolgt werden und sogar mit dem Tod bedroht sind – das stört diese Christen anscheinend nicht.

In Kenia hat kürzlich die Polygamie den gleichen rechtlichen Status erhalten wie die monogame Ehe – unter anderem mit dem Hinweis darauf, dass die Vielehe nicht nur eine afrikanische Tradition sei, sondern es sie ja auch im Alten Testament gebe. Hilf Himmel!

In den USA – aber nicht nur dort – verkünden evangelikale Christen munter, Gott habe die Welt in sieben Tagen geschaffen. So stehe es in der Bibel. Deshalb kämpfen diese Kreise ohne Unterlass dagegen, dass in den Schulen die Evolution gelehrt wird. Nein, die Schöpfungslehre müsse es sein – so wie sie sie verstehen! Verzweifelte Naturwissenschaftler wissen dann oft nicht, ob sie lachen oder weinen sollen.

Im Vatikan tagten kürzlich rund 200 Exorzisten und Psychologen. Paolo Moro cutti, Exorzist in Siena und Dozent an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, mahnte, man müsse den Teufel ernst nehmen. Kein Abschied vom Teufel als Person also? Nein. Das ist immer noch die offizielle Lehre der römisch-katholischen Kirche.

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