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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2014
Klaus Mertes: Was sich in der katholischen Kirche ändern muss
Der Inhalt:

Zwischenruf: Die vertrackte Rechnung

von Bettina Röder vom 23.05.2014
Was bringt es den Deutschen, wenn sich West und Ost die Kosten der Vereinigung vorrechnen? Die Antwort: Nichts. Ein Zwischenruf

Große nationale Vorhaben sind nicht zum Nulltarif zu haben. Sie kosten Kraft und Zeit und bekanntlich auch Geld. Und manches geht dabei schief. Vor allem, wenn es unter großem zeitlichem Druck vonstatten geht. Auch bei der deutschen Einheit war das so und ist es bis heute. Eine Mammutaufgabe, die längst nicht bewältigt ist und zuallererst den kommenden Generationen zugute kommt. Da wäre es hilfreich, gelegentlich innezuhalten und zu bilanzieren, was gut und was weniger gut gelaufen ist, was zielführend war und was nicht noch einmal passieren sollte. Und natürlich: Welche Visionen haben wir eigentlich für das geeinte Land in einem freien Europa?

Doch leider ist das selten ein Thema. Stattdessen werden in regelmäßigen Abständen die Kosten der Einheit vorgerechnet. So auch jüngst, als die Welt am Sonntag wieder einmal eine solche Berechnung in Auftrag gab. Wirtschaftsinstitute kamen auf zwei Billionen Euro. Eine Zahl, die sich aus der Summe aller Finanztransfers in den Osten ergibt. Von den Wirtschaftsfördertöpfen über den Solidarpakt bis hin zum Länderfinanzausgleich. Alles in allem eine für Otto Normalverbraucher schwer vorstellbare Größe, weil sie in seinem Alltag eben nur recht selten vorkommt. Schnell war aber der Unterton klar: Seht her, wie viel Geld in den Osten gepumpt wurde.

Natürlich floss und fließt viel Geld von West nach Ost. Aber es gibt natürlich auch die Gegenrechnung: Wie viele gut qualifizierte junge Menschen, vor allem Frauen, sind in den Westen abgewandert und arbeiten dort? Wie viel profitierte die westdeutsche Wirtschaft und damit auch der Staat, als sich mit dem Osten nach 1990 ein neuer großer Markt erschloss? Wie hoch ist der Wert der Immobilien im Osten, die von Westlern oder vom Staat übernommen wurde? Auch all das müsste bei einer wirklich seriösen Kalkulation gegengerechnet werden. Doch was bitte schön soll das bringen?

Nein, solche Rechnungen sind nicht geeignet, Menschen zueinander zu bringen. Denn aufrechnen, das geht eigentlich nur unter Fremden. Und hinterlässt auch immer einen bitteren Beigeschmack. Banken rechnen auf, Hausbesitzer, zerstrittene Erben und Eheleute. Wo Beziehungen funktionieren sollen, geht das eigentlich nicht.

Was ist stattdessen wichtig? Die Erkenntnis, dass die Unterschiede zwischen Ost und West ein großer Reichtum sind. Auch in der Frage, wer welchen Beitrag

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