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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2014
Klaus Mertes: Was sich in der katholischen Kirche ändern muss
Der Inhalt:

Auf dem Weg zu Allah

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 23.05.2014
Welche Deutsche kommt schon auf die Idee, zum Islam zu konvertieren? Das Vorurteil, der Islam nehme Frauen die Freiheit, hält sich hartnäckig. Drei Konvertitinnen erzählen

Ich bin gelernter Ossi«, sagt Ines und lacht. »Das heißt: Ich bin absolut ungläubig groß geworden. Alles, was ich nicht sehen, hören oder riechen konnte, gab es nicht.« Ines ist eine fröhliche Frau mit strahlenden Augen und einer mütterlichen Ausstrahlung. Sie ist Fliesenlegerin. Und gläubige Muslima. Vor rund einem Jahr ist die 47-Jährige zum Islam konvertiert.

Gerade kommt sie vom Freitagsgebet aus einer Moschee am Frankfurter Hauptbahnhof. Mit der Hand streicht sie über ihr leuchtend blaues Kopftuch.

Wie sie Muslima wurde? Es begann mit einer Trennung. Als ihr damaliger Mann sie verließ, fiel Ines in ein tiefes Loch. Dann konvertierte ihr zwanzigjähriger Sohn zum Islam. »Als Mutter hatte ich erst einmal Angst«, berichtet Ines. »Dann habe ich angefangen, mich mit dem Islam zu beschäftigen.« Ein Schlüsselereignis war die »Hörreise zum Koran«, die der Sohn ihr mitbrachte. »Diese CD habe ich immer wieder gehört und war fasziniert«, sagt Ines. »Im Koran ist zum Beispiel genau erklärt, wie sich Samen und Eizelle vereinen und so ein Kind entsteht. Das ist keine Entdeckung der modernen Wissenschaft, das steht in einem Buch, das über 1400 Jahre alt ist!«

Dann schwärmt Ines von der Gemeinschaft in der Moschee und erzählt, dass sie dort auf Anhieb akzeptiert wurde – selbst als sie noch nicht Muslima war und aus reinem Interesse kam. Dennoch hat sie zunächst gezögert, ob ihr Beruf mit der Religion vereinbar sei. »Als Fliesenlegerin strecke ich doch den ganzen Tag den Popo nach oben«, hat sie zum Imam der Gemeinde gesagt. Dessen Antwort: »Na und?« Er habe ihr Ängste und Bedenken genommen, sie ermutigt und erklärt, dass im Koran ausdrücklich stehe, dass auch Frauen arbeiten sollten. Und so entschied sie sich, Muslima zu werden.

»Manche Kunden haben natürlich erstmal geguckt, als ich plötzlich mit Kopftuch kam«, beschreibt sie die Reaktionen in ihrem Umfeld. »›Sind Sie jetzt muslimisch?‹, haben die gefragt. Und ich habe gesagt: ›Ja, aber den Bombengürtel trage ich nur freitags.‹« Schmunzelnd ergänzt sie: »Es ist wichtig, den Vorurteilen mit Humor zu begegnen.« Und ihre Familie? Ines’ älteste Tochter, 29, habe gesagt: »Ich hab’s gewusst! Aber gib mir ein bisschen Zeit, mich daran zu gewöhnen.« Unvergesslich ist für Ines der Moment, in dem sie zum ersten Mal das islamische Glaubensbekenntnis sprach. »Das war wie ein Neuanfang. Ich hatte das Gefühl, endl

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