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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2010
Rebellion auf leisen Sohlen
Der Ökumenische Kirchentag in München
Der Inhalt:

Die Jagd nach dem Frieden

von Bettina Röder vom 28.05.2010
»Nichts ist gut in Afghanistan«. Dieser Satz bewegt viele Herzen. Doch in der Eissporthalle bleibt es kalt, und die Wege sind weit

Kalter Wind pfeift durch das Münchner Olympiazentrum. In der Eissporthalle sitzen die Menschen mit dicken Jacken und Anoraks auf den zu Hockern gefalteten Kartons. Knapp 2000 sind gekommen, das für sie wichtigste Thema neben dem Missbrauch steht auf dem Programm: der Krieg in Afghanistan. Und obwohl Margot Käßmann gar nicht da ist, ist sie doch allgegenwärtig. Ihr Satz, nichts sei gut in Afghanistan, stimme so ja gar nicht, sagt ausgerechnet der Präsident der katholischen Friedensbewegung Pax Christi, der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen, einer der diskutierenden Männer auf dem Podium. Und der Saal tobt entrüstet. Buh-Rufe hallen nach vorn. Dann beruhigen sich die Menschen wieder. Eine Möglichkeit, nachzufragen oder gar ihre Meinung zu sagen, haben sie nicht. Die Männerrunde vorn – immerhin von einer Frau moderiert – bleibt unter sich.

Doch auch sie diskutiert mit heißem Kopf, lauten Worten und vielen Gesten. Töne, die leise sind und zu Herzen gehen, gibt es da kaum. Bis auf wenige Ausnahmen. Etwa, als Reinhard Erös, der ehemalige Bundeswehrarzt, sagt, dass in der vergangenen Nacht ein Dorf in Afghanistan von den Amerikanern bombardiert wurde und zehn Menschen, darunter zwei kleine Schüler, ums Leben kamen. Der gebürtige Bayer kennt sich gut aus in Afghanistan. Er ist aus dem Bundeswehreinsatz dort ausgestiegen und baut inzwischen Waisen- und Krankenhäuser am Hindukusch. 2000 Menschen hat er so in Lohn und Brot gebracht. Die Bundeswehr sei inzwischen ein Sicherheitsproblem für die Entwicklungshilfe, sagt er aus eigener Erfahrung.

Wieder tobt der Saal. Diesmal ist es Beifall. Und wieder ist Margot Käßmann allgegenwärtig. Ob er sich auch wie sie wünschte, mit den Taliban im Zelt Tee zu trinken, fragt die Moderatorin. Erös bejaht. Die Menschen, sagt er aus 25-jähriger Erfahrung dort, seien stolz und zuverlässig, aber auch sehr empfindlich gegen alle fremden Einflüsse auf ihre Kultur.

Auch Winfried Nachtwei, der langjährige friedensbewegte Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, der bis heute regelmäßig nach Afghanistan fährt, kritisiert, dass zu viel über Militärs und zu wenig über friedenserhaltende Maßnahmen gesprochen werde. Auch er erntet Beifall.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz ist dagegen »zutiefst überzeugt«, dass der E

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