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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2010
Rebellion auf leisen Sohlen
Der Ökumenische Kirchentag in München
Der Inhalt:

Abschied von der Allmacht

von Hartmut Meesmann vom 28.05.2010
Was heißt es für das Christentum, wenn der Glaube an ein Handeln Gottes in der Welt nicht mehr möglich ist?

Micha Brumlik sagt es sehr bestimmt: »Den Glauben, dass Gott in die Geschichte eingreift, den können wir uns abschminken.« Der Jude, Professor für Pädagogik in Frankfurt, hält es für nicht mehr möglich, »nach den schlimmen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts weiter von einem Gott zu reden, der in der Welt handelt«. Brumlik proklamiert bei dem sehr dichten Forum »Heute glauben?« im Zentrum »Juden und Christen im Dialog« den endgültigen Abschied von einem allmächtigen Gott.

Magnus Striet teilt die Position Brumliks. Der katholische Theologieprofessor aus Freiburg kleidet sie beim Forum »Religiös unmusikalisch?« in eine Frage: »Was bedeutet es für das Christentum, wenn der Glaubende nicht mehr von einem Handeln Gottes in der Welt ausgehen kann?« Eine Antwort gibt Striet nicht. Aber er fordert einen zeitgemäßen und »erwachsenen« Glauben. Man könne heute einfach nicht mehr in zwei verschiedenen Welten leben: hier eine naive Religiosität, dort ein aufgeklärtes Weltwissen. Beide Bereiche müssten zusammenkommen. Gefragt sei ein aufgeklärter Glaube.

Weniger durch direktes Eingreifen als vielmehr in verschiedenen Phänomenen, mit denen Menschen konfrontiert sind, erkennt Matthias Sellmann das »Wirken Gottes«. Der katholische Pastoraltheologe aus Bochum tritt ebenfalls beim Forum »Religiös unmusikalisch?« auf. Gott wirke in der Kraft, mit der Sport betrieben werde; in der Verschmelzungsfähigkeit, die in der Musik zum Ausdruck komme; in der »Verdoppelung der Welt«, wie sie im Theaterspiel inszeniert werde. Gott wird hier zum geistig-körperlichen Inspirator des Menschen, zu einer Art energetischem Fluidum.

Und ein religiös unmusikalischer Mensch? Für einen solchen gibt es entweder keinen Gott, oder er möchte vielleicht glauben, kann es aber nicht – aus welchen Gründen auch immer. Der Hamburger Philosoph und »fromme Atheist« Herbert Schnädelbach will in München wissen, ob die Rede von einem Gott »wahr« ist? Und ob es wahr ist, dass sich Gott »offenbart« hat? Den Mann treibt die Frage um, »ob sich die Offenbarung Gottes, von der das Christentum spricht, irgendwie objektivieren lässt«. Schnädelbach will – ähnlich wie sein Kollege Jürgen Habermas – den Gehalt der religiösen Aussagen in eine allgemein verständliche Vernunfterkenntnis übertragen, auf dass sie ihn, den kritischen Denker, vielleicht überzeugen kann.

Die Dominikanerin Aurelia Spendel, die mit Micha

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