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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2019
Ach, Europa
Vielfältig, widersprüchlich, wunderbar – die EU vor der Wahl
Der Inhalt:

Wie Väter ihre Kinder radikalisieren

Kino. Ein kleiner Bub schneidet einem Vogel den Kopf ab – so wie sein Vater es mit Ungläubigen getan hat. Brutale Szenen aus dem Alltag einer Djihadistenfamilie, bei denen sich einem der Magen umdreht: Der syrischstämmige Regisseur Talal Derki hat für seinen Dokumentarfilm »Of Fathers and Sons« zwei Jahre lang, getarnt als islamistischer Reporter, hautnah das Leben eines Al-Kaida-Djihadisten und seiner acht Söhne (Frauen durften nicht vor die Kamera) in der syrischen Provinz Idlib gefilmt. Dafür hat er gerade den Deutschen Filmpreis bekommen. Vater Osama lässt die Jungs mit gewalttätigem Drill und Koranrezitieren zu Gotteskriegern abrichten; er amüsiert sich, wenn sie die zweijährige Nichte drangsalieren, die sich ohne Kopftuch aus dem Haus gewagt hat. Verstörender noch als der Sadismus und der Hass, den er den Kindern einpflanzt, ist die Liebe, die er ihnen zugleich entgegenbringt – obwohl er darauf brennt, sie in den »Märtyrertod« zu schicken. Laut Derki gibt es zwischen dieser Djihadisten-Erziehung und der Hitler-Jugend keinen Unterschied.

Wie sich radikalislamistische und faschistoide Indoktrinierung strukturell ähneln, zeigt auch der Film »Kleine Germanen« über Kindererziehung in der rechtsextremen Szene. Als roter Faden dient das per Computeranimation nachgestellte Schicksal einer Familie, die aus der Szene aussteigen will. Im Mittelpunkt stehen Mädchen, die durch ihre NS-Großväter radikalisiert, zu Kriegsspielen und schließlich Terror angeleitet werden. Ergänzt wird die leider rührselige Handlung durch Off-Kommentare von Rechtsextremismus-Experten und durch Interviews mit Vertretern der neurechten Szene wie Götz Kubitschek und Martin Sellner. So wertkonservativ sich diese geben, so ist