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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2018
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Jesus, Marx und die Krise des Kapitalismus. Ein Streitgespräch
Der Inhalt:

Digitale Helden

von Barbara Tambour vom 11.05.2018
Ein Sozialunternehmen bildet Schüler zu Internet- und Smartphone-Mentoren aus

Viele Fünftklässler besitzen schon ein Smartphone. Das hat Folgen: Schüler kommen abends nicht zur Ruhe, weil sie sich ununterbrochen Nachrichten schicken. Manche haben Albträume, weil sie im Klassenchat auf WhatsApp Gewaltvideos angeschaut haben. Und machen sich einige über das Aussehen einer Mitschülerin lustig, lesen alle mit. Unter Schülern an weiterführenden Schulen ist das Alltag. Eigentlich müsste der Umgang mit den digitalen Medien fester Bestandteil im Unterricht sein. Doch das ist nicht der Fall.

An dieser Stelle setzt das Frankfurter Sozialunternehmen Digitale Helden an: »Wir helfen Schulen, ihre Arbeit in der Medienerziehung besser zu machen«, sagt dessen Geschäftsführer Florian Borns. Digitale Helden, das sind Schülerinnen und Schüler der achten und neunten Klasse, die in einer Arbeitsgemeinschaft oder einem Wahlpflichtkurs über einen Zeitraum von zwei Jahren zu Mentoren ausgebildet werden. Voraussetzung ist, dass ein oder zwei Lehrer der Schule zuvor eine entsprechende Fortbildung besucht haben. Mit den künftigen Mentoren arbeiten sie sich anschließend durch einen Online-Kurs, den das Sozialunternehmen zur Verfügung stellt. Schon hundert Schulen haben solche Mentoren, »Digitale Helden« genannt, ausgebildet.

Kommt es dort zu Cybermobbing in einer der unteren Klassen oder soll dort präventiv das Thema »Smartphone & Co.« behandelt werden, gestalten die Mentoren diese Stunden. »Es ist ein großer Vorteil, wenn das ältere Schüler übernehmen«, sagt Borns. »Es macht mehr Spaß, sie sind näher dran, und es ist authentisch, wenn sie sagen: ›Das ist mir auch schon passiert.‹«

Gemeinsam mit den Fünft- oder Sechstklässlern stellen sie dann Regeln für den Klassenchat auf. Etwa: Poste nichts mehr nach 20:30 Uhr. Keine Beleidigungen. Freundlich miteinander umgehen. Nicht ungefragt Fotos von anderen verschicken.

Eines sollen die Mentoren nicht sein: »Sie sollen nicht WhatsApp-Polizei spielen«, erläutert Borns. Es reicht, wenn sie das Bewusstsein der Jüngeren dafür schärfen, wann sie sich an Lehrer, Eltern oder auch an die Polizei wenden sollten: Etwa wenn Fotos aus der Sportumkleide herumgeschickt werden oder ein Lehrer als »Pädophiler« beschimpft wird. In diesen »digitalen Notfällen« stellt das gemeinnützige Unternehmen dann auch umgehend den Kontakt zu Medienanwälten, der Po

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