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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2018
Kennen wir uns?
Jesus, Marx und die Krise des Kapitalismus. Ein Streitgespräch
Der Inhalt:

»Ich bin Christ und Sozialist«

Michael Korbmacher aus Münster engagiert sich bei den »ChristInnen für den Sozialismus«

Dass Christsein politisch ist, das habe ich schon verstanden, als ich Anfang der 1980er-Jahre in Münster katholische Theologie studiert habe. Johann Baptist Metz und Tiemo Rainer Peters waren meine Lehrer. Aber wie man Christsein und Politik wirklich miteinander verbindet, habe ich bei den ChristInnen für den Sozialismus gelernt. Seit 1983, also schon seit 35 Jahren, bin ich dabei.

In dieser Zeit hat sich die Initiative stark gewandelt. So gibt es heute kaum noch Regionalgruppen. Wir sind weniger geworden. Aber noch immer treffen wir uns einmal im Jahr zu einem Intensivseminar. Und Mitte April war ich bei unserer »Matthäus-Werkstatt«. In dieser Arbeitsgruppe beschäftigen wir uns einmal im Jahr ein Wochenende lang mit dem Matthäusevangelium im Sinne der materialistischen Bibellektüre. Dabei haben wir Textdeutungen erarbeitet, die die gängigen Bibelinterpretationen auf den Kopf – und damit den Text auf seine Füße stellen. Das Gleichnis von den anvertrauten Talenten interpretiere ich inzwischen folgendermaßen: Es ist keine Parabel über das Himmelreich, sondern über tatsächlich im Römischen Reich praktizierte Spekulation mit Geld. Der Herr, der die Silber-Talente verleiht, ist nicht der Gott Israels, sondern ein Gläubiger. Gerecht in den Augen Jesu ist derjenige, der das Geld vergräbt und am Ende zurückgibt. Die beiden anderen machen sich zu Dienern des Mammon. Den Namen ChristInnen für den Sozialismus möchte ich nicht aufgeben. »Sozialismus« steht für mich dafür, dass die Hoffnung auf eine gerechte Welt nicht obsolet ist. In Chile, wo die Bewegung entstand, als sich Christen für den Sozialisten Salvador Allende aussprachen, sind nach dem blutigen Militärputsch 1973 sechs Menschen, die der Beweg