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Streitfragen<br />zur Zukunft
Brauchen wir eine deutsche Leitkultur?

Leserstimmen Alexander Schwabe hält es für schädlich, eine Leitkultur festlegen zu wollen. Raed Saleh meint, dass sie das Grundgesetz mit Leben füllen könnte. Jetzt haben die Leserinnen und Leser das Wort
vom 11.05.2018
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Die Leitkultur-Debatte krankt vor allem am Begriff. Das sieht man schon daran, dass die Befürworter (»Grundgesetz plus Emotionen«) die Betonung nur auf das »Leit« legen und die »Kultur« übergehen. Dabei lebt unser freiheitlicher Rechtsstaat von Voraussetzungen – wie der Staatsrechtler Ernst-Wolfgang Böckenförde es formuliert hat –, die er selbst nicht garantieren kann. Es gibt eine deutsche, europäische, westliche Kultur, die unser Grundgesetz hervorgebracht hat und lebendig hält. Über ebendiese Kultur müssen wir uns verständigen, und zwar nicht, um sie denen, die zu uns kommen, aufzudrängen, sondern um uns unserer selbst zu vergewissern, um uns selbst zu kultivieren: damit wir offen und souverän mit dem Anderen umgehen und vom Reichtum anderer Kulturen lernen können. Diese »Leitkultur« hieße dann Bildungskanon – und der würde erstmal uns selbst ein gutes Stück abverlangen. Aber wer will schon alte Bücher lesen? Eine Leitkultur à la »Grundgesetz plus x« passt da schon besser zu Digitalisierung, Ökonomisierung und flexibler Arbeitswelt. Albert Sperber, Koblenz

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