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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2017
Reformation 2.0: Das wahre Erbe Martin Luthers
Der Inhalt:

Buch des Monats: Uns geht der Planet aus

von Norbert Copray vom 12.05.2017
Warum wir Visionen für eine lebenswerte Zukunft brauchen

Tim Jackson
Wohlstand ohne Wachstum. Das Update
Grundlagen für eine zukunftsfähige Wirtschaft. Oekom. 368 Seiten. 19,95 €

Sieben Jahre ist es bereits her, dass der britische Wirtschaftswissenschaftler Tim Jackson mit seinem Buch »Wohlstand ohne Wachstum« maßgeblich zum Ansatz einer zukunftsfähigen Wirtschaft beigetragen hat. Natürlich nicht unumstritten. Daher nun »Das Update«: Es ist eine Fortsetzung des Bestsellers von 2010 mit vielen neuen Fakten und Überlegungen sowie mit Entgegnungen auf Einwände und Kritik. Dennoch ist es nicht einfach eine Neuauflage. So hat der Professor für Nachhaltige Entwicklung an der Universität Surrey (England) das zweite Kapitel über die Finanzkrise fast völlig neu geschrieben. Erhalten blieb freilich die zentrale These, wonach »die eigentliche Ursache im Streben nach Wachstum selbst lag«.

Gleich im ersten Kapitel greift der Autor die Einwände auf und setzt sich ausführlicher als bisher mit den Grenzen des Wirtschaftens auseinander. Das »vorherrschende Wirtschaftsmodell beruht auf einer stetigen exponentiellen Ausdehnung des Umfangs der Wirtschaft«, aber »wir haben keine andere Wahl, als das Wachstum zu hinterfragen«, denn »uns geht der Planet aus«. Der Mythos Wachstum lässt uns im Stich.

Die global verbreitete Vorstellung, man könne dem Klimawandel wirksam begegnen, »ohne das konventionelle Wirtschaftsmodell wesentlich zu ändern«, hat nach Jackson inzwischen eine perverse Dynamik erzeugt. Was Jackson als »Wachstumsdilemma« bezeichnet, ist der Gegensatz zwischen den Überzeugungen, dass Wachstum in seiner jetzigen Form nicht nachhaltig sei und Wachstumsmäßigung – also Genügsamkeit – eine unbeherrschbares Risiko an Instabilität mit sich bringe. Er ist überzeugt: Wenn Emissionen und Ressourcenverbrauch nicht drastisch reduziert werden, wird es keine zukunftsfähige Wirtschaft geben.

Eindrucksvoll beschreibt er »das stahlharte Gehäuse des Konsumismus«. Gemeint ist eine Konsumkultur, die ständig durch Neuheiten, die oftmals nur Scheininnovationen sind, massive Werbung, Verkaufstricks und Angstmache am Leben erhalten werden muss und sich über ihre innere Leere hinwegtäuscht. Nach dieser Analyse weitet Jackson die Perspektive: vom »Gedeihen in Grenzen« über eine »Wirtschaft von morgen« zu einer »Postwachstums-Makroökonomie« bis zur »Degrowth-Bewegung«, die 2010 noch in d

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