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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2017
Reformation 2.0: Das wahre Erbe Martin Luthers
Der Inhalt:

Mitten unter uns

Die Stadt Aachen veranstaltet Trauerfeiern für vereinsamt Verstorbene. Ein würdevoller Abschied für Menschen ohne Angehörige

Uwe Wichmann hat einen Freund verloren. »Wir kannten uns fast vierzig Jahre«, erzählt der 58-Jährige. Während ihrer Studentenzeit organisierten sie zusammen Partys in der Katholischen Hochschulgemeinde. Der Freund, Wolli genannt, legte bei den Partys die Platten auf. Vor Kurzem ist er gestorben. Als Wichmann ihn kurz vor seinem Tod im Krankenhaus besuchen wollte, wurde er abgewiesen: Zutritt zur Intensivstation nur für Familienangehörige. Keine Auskünfte über den Patienten. Doch Familie hatte Wolfgang Steinbusch nicht. Seine Eltern waren lange tot, und er lebte alleine. Und er starb dann auch allein.

Auf den Friedhof Hüls in Aachen ist Wichmann zusammen mit seiner Frau gekommen, um in einer Trauerfeier Abschied von seinem Freund zu nehmen. Für ihn und für 132 weitere Menschen, die in den vergangenen zwölf Monaten starben, ohne dass Angehörige ermittelt werden konnten, richtet die Stadt Aachen gemeinsam mit dem Ökumenischen Arbeitskreis Bestattungskultur aus evangelischer und katholischer Kirche eine öffentliche Gedenkfeier aus. Die gut hundert Plätze der Trauerhalle sind gut besetzt. Gekommen sind Freunde, Nachbarn, ferne Verwandte, Kneipenbekanntschaften. »Sie haben mitten unter uns gewohnt«, sagt Bürgermeisterin Hilde Scheidt in ihrer Ansprache. »Es ist so wichtig, wenn jemand auf die Welt kommt. Genauso wichtig ist es, wenn er geht.« Ihre Stadt, betont sie, wolle zeigen, »wie sehr wir auf unsere Menschen achten«, deshalb diese Feier.

Nicht viele Städte gehen mit den einsam Gestorbenen um wie Aachen. Krefeld macht es ähnlich, auch Leipzig, Köln oder Osnabrück. Viele andere Gemeinden bestatten weiterhin gedenkenlos. Wer sein Leben fast anonym beendet hat, geht auch anonym,