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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2017
Reformation 2.0: Das wahre Erbe Martin Luthers
Der Inhalt:

Aufgefallen: Die Resolute

Die türkische Gewerkschafterin Sakine Esen Yilmaz floh nach Deutschland. Sie musste alles aufgeben – und bleibt kämpferisch

Sakine Esen Yilmaz hatte niemals daran gedacht, sich fern der Heimat ein neues Leben aufzubauen; weder in Deutschland noch sonst wo. Sie war Generalsekretärin der Bildungsgewerkschaft Egitim Sen in der Türkei und hatte sich für die Interessen von Lehrerinnen und Lehrern und für Frauenrechte eingesetzt. Mit einer Delegation war sie vor drei Jahren in ein Flüchtlingslager von Jesiden in der Provinz Sirnak im Südosten der Türkei gereist, hatte Hilfe zu jenen gebracht, die vor den brutalen Angriffen des IS hatten flüchten müssen. Nicht im Traum hatte sie gedacht, selber einmal Flüchtling zu sein.

Bis vor einem Jahr: Auch weil sie sich für Kurdisch als Unterrichtssprache für kurdische Schüler einsetzte, liefen etliche Strafverfahren gegen sie. »Außerdem gehöre ich gleich mehreren Gruppierungen an, die der türkische Präsident zum Feind erklärt hat«, sagt sie und zählt auf: der Frauenbewegung, einer unabhängigen Gewerkschaft, und sie sei obendrein kurdischer Herkunft. Vorgeworfen wurde ihr Nähe zur kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die zierliche und resolute Vierzigjährige sah sich einer Anklage mit insgesamt 22 Jahren Haft gegenüber. Im Frühjahr vergangenen Jahres tauchte sie zunächst unter, nach dem Putschversuch im Sommer floh sie nach Deutschland.

Sie und ihr Mann haben ihre Wohnung aufgelöst, Möbel und Bücher bei Angehörigen und Freunden untergestellt. »Wir hatten eine Bibliothek, die wertvoll für mich war«, sagt sie. Doch dann wischt sie die traurigen Gedanken weg, so als habe es nur kurz geregnet.

Sie weiß, dass sie in ihre Heimat so schnell nicht zurückkehren kann; erst recht jetzt nach dem Referendum, da Erdogan die Verfassung ändern und seine Macht