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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2016
Schwierige Schüler
Ausrasten, stören, treten: Ein Fall für die Sonderschule? Eine Lehrerin sagt Nein
Der Inhalt:

Religion am Pranger

von Britta Baas vom 13.05.2016
Zwei Parteien, ein Gedanke: Glaube ist gefährlich. »Die Linke« in Sachsen will ihre Partei auf Anti-Religionskurs bringen. Die AfD grenzt den Islam aus

Es ist schon erstaunlich, wie sehr man in seiner eigenen Ideologie gefangen sein kann. Im Grundsatzprogramm der Alternative für Deutschland (AfD) gibt es Belege dafür. Einer davon findet sich in Kapitel sieben unter der Überschrift: »Der Islam gehört nicht zu Deutschland.« Der erste Satz des jetzt folgenden Textes lautet: »Die AfD bekennt sich uneingeschränkt zu Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit.«

Wer in Überschrift und erstem Satz des Kapitels eines Widerspruch zu erkennen meint, hat die AfD in diesem Punkt nicht verstanden. Für sie ist der Islam keine richtige Religion. Für sie ist er eine politische Ideologie, die sich mit dem Grundgesetz nicht vereinbaren lässt. Die Partei stört sich am islamischen Gottesverständnis, an der Existenz der Scharia, an Minaretten und Muezzinen. Sie stört sich »am islamischen Ausland«, an den muslimischen Verbänden, an islamisch begründeten Kleiderordnungen. Jeden Versuch, den Islam in Deutschland heimisch zu machen, erklärt sie strikt für unmöglich.

Was aber ist mit den mehr als vier Millionen Musliminnen und Muslimen, die in Deutschland leben? Beatrix von Storch, die stellvertretende Parteivorsitzende, sagte beim jüngsten Parteitag, dass man sie natürlich nicht gleich alle ausweisen könne. Aber gut sei es schon, wenn man nicht merke, dass sie Muslime seien. Und Hans Thomas Tillschneider, Islamwissenschaftler und AfD-Abgeordneter in Sachsen-Anhalt, fügte hinzu: »Wenn wir gegen Islamisierung des Abendlandes sind, können wir nicht für eine Verwestlichung des Islams eintreten.« Sein Satz nimmt allen Muslimen die letzte Hoffnung auf einen Ausweg aus der Falle, die die AfD für sie aufgestellt hat.

Die Partei bekennt sich zu einer deutschen Leitkultur, die sich, so heißt es, »aus den Überlieferungen des Christentums, der wissenschaftlich-humanistischen Tradition und dem römischen Recht« speise. Wie die AfD daraus schließen kann, den Islam verbannen zu dürfen, ist ein Rätsel. Sollte sie das Christentum nicht verstanden haben? Sie bezieht sich in keinem Punkt auf dessen geschwisterliche, menschenrechtliche und universale Ideale. Stattdessen stellt sie das Christentum abgrenzend als Religion der Deutschen vor.

Sollte die AfD auch nicht wissen, dass das römische Recht dafür gemacht war, einen Vielvölkerstaat zusammenzuhalten? Sollten sie eben

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