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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2016
Schwierige Schüler
Ausrasten, stören, treten: Ein Fall für die Sonderschule? Eine Lehrerin sagt Nein
Der Inhalt:

»Der Aufstand ist überfällig«

Das Beispiel Amazon zeigt, warum im Dienstleistungsbereich immer häufiger gestreikt wird

Industriearbeiter aus Stahl- und Bergwerken, die mit Transparenten und erhobener Faust die Betriebstore verließen, um ihre Arbeit niederzulegen – das war das Streikszenario der 1980er- und 1990er-Jahre. Heute ist es vor allem der Dienstleistungssektor, in dem gestreikt wird. Und das hat seine Gründe.

»Hallo, ich bin Jörg, ich arbeite seit zwei Jahren hier bei Amazon«, erklärt ein Mitarbeiter im Video begeistert: »Vorher war ich selbstständig, jetzt habe ich einen sicheren Arbeitsplatz, und das macht mich doppelt glücklich.« Ob dieser doppelt glückliche Amazon-Mitarbeiter aus einem Werbevideo des Konzerns repräsentativ ist, darf bezweifelt werden. Die Kommentare zum Video sind jedenfalls deaktiviert.

Viele der 15 000 Amazon-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland klagen über hohe Arbeitsbelastung und ein Lohnniveau, das nur knapp über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt. Vor allem in den Stoßzeiten – wie vor Weihnachten – wird der Arbeitsdruck in den riesigen Lagerhallen unerträglich. In den wenigen unabhängigen Mitarbeiterberichten, die den Weg in die Medien gefunden haben, ist die Rede von zwei Wochen Akkordarbeit am Stück – ohne einen freien Tag.

Amazon setzt auf Effizienz durch Kontrolle: Die Mitarbeiter unterschreiben mit ihrem Jobantritt eine Verschwiegenheitserklärung. Während der Arbeit wird jede Aktivität durch Warenscanner aufgezeichnet und die Arbeitsgeschwindigkeit lückenlos erfasst. Ein Gang zur Toilette, die Raucherpause oder das Gespräch mit dem Kollegen können ein mahnendes Gespräch mit dem Vorgesetzten zur Folge haben. Wer weniger Pakete packt als seine Kollegen, wird als »Minderleister« gebrandmarkt.

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