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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2015
Das Verschwinden der Freiheit
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Der Inhalt:

Vorgespräch: Wie lebt es sich in einer Kommune?

von Markus Dobstadt vom 08.05.2015
Fragen an Barbara Graf-Degenhardt, die das »Los-geht’s«-Festival politischer Kommunen organisiert

Publik-Forum: Frau Graf-Degenhardt, Sie organisieren an Pfingsten in Ihrer Kommune, dem Olgashof bei Wismar, das Festival »Los geht’s 2015«. Was geht denn da los?

Barbara Graf-Degenhardt: »Los geht’s« ist ein großer Treffpunkt für Leute, die in einer Kommune leben wollen. Bisher haben sich Gruppen angemeldet, die eine Kommune gründen wollen, aber auch Menschen, die sich über das Leben in einer Gemeinschaft erst informieren möchten. Maximal 250 Personen können teilnehmen. Organisiert wird das alle zwei Jahre von Kommuja, dem Netzwerk politischer Kommunen.

So viele Menschen vier Tage auf einem Hof? Wie leben sie dort und was tun sie da?

Graf-Degenhardt: Sie übernachten in Zelten, die sie mitbringen. Auf dem Festival wird vegan gekocht. Wir bieten verschiedene Workshops an, zum Beispiel zur gemeinsamen Ökonomie oder zur Konsensfindung in der Gruppe. Bei einem »Brunch der Möglichkeiten« können sich alle Gruppen an eigenen Tischen vorstellen. Wir machen aber auch Kreativangebote wie Street-Art, Yoga, Gewaltfreie Kommunikation oder solidarische Landwirtschaft.

Kann man dabei lernen, wie das Leben in einer Kommune funktioniert?

Graf-Degenhardt: Ja, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bleiben die ganze Zeit in Bezugsgruppen von etwa 15 Personen zusammen und beschäftigen sich miteinander. Da geht es schon mal ans Eingemachte: Bei einem Workshop über gemeinsame Ökonomie etwa haben wir allen ihre Gebühr zurückgegeben; sie sollten dann selbst ausmachen, wer wie viel bezahlt. Das gab natürlich viele Diskussionen. Am Ende war der gemeinsame Betrag in etwa der Gleiche, aber er war anders auf die verschiedenen Personen verteilt.

Ist die Kommune nicht eher eine aussterbende Lebensform aus den 1970er-Jahren?

Graf-Degenhardt: Nein, ich habe eher den Eindruck, dass das Interesse am Gemeinschaftsleben gestiegen ist. Die Leute suchen nach Alternativen zum Konsum und den bestehenden Machtstrukturen. Bei uns auf dem Olgashof leben 14 Erwachsene und 6 Kinder ein sehr selbstbestimmtes Leben ohne Hierarchien. Wir entscheiden alles im Konsens. Das erfordert natürlich eine permanente Auseinandersetzung. Das kann wahnsinnig anstrengend sein, aber auch großen Spaß machen

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