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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2013
Die Suchbürger
Evangelischer Kirchentag: Offen, freundlich, unentschieden
Der Inhalt:

Ein Fall von Pressefeigheit

von Michael Damm vom 17.05.2013
Wie führende Medien über Armut und Reichtum berichten

Schärfer kann man die Kritik am Umgang führender Medien mit den Themen Reichtum und Armut nicht formulieren, wie die Publizisten Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz dies tun: »In diesen Fragen herrscht ein klarer Fall von Pressefeigheit.«

In einer umfangreichen Studie untersuchten die beiden Medienexperten im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung die Berichterstattung von Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Süddeutscher Zeitung, Berliner Zeitung und Tagesspiegel sowie der Wochenzeitungen Die Zeit und Der Spiegel über Armut und Reichtum. Zwar attestieren Arlt und Storz insbesondere der Zeit »in der Summe eine ausgezeichnete redaktionelle Leistung«. Insgesamt halten sie die Berichterstattung über die wachsende Kluft zwischen Reich und Arm in der Gesellschaft aber für mutlos.

Dies gilt insbesondere für die Behandlung des Reichtums. Nach Durchsicht aller Ausgaben der untersuchten Zeitungen von 2008 bis 2012 kommen Arlt und Storz zu der Schlussfolgerung, dass »eine Auseinandersetzung mit der Macht privater Großvermögen nicht stattfindet. Der riesige Reichtum in den Händen weniger wird entweder überhaupt nicht kommentiert oder selbst dann nicht genauer durchleuchtet, wenn er kritisch bewertet wird.« Vielmehr, so die Medienexperten, »zerbricht sich der führende Journalismus mehr den Kopf über die Probleme der Reichen als über die Folgen der Zusammenballung privaten Reichtums«.

Das Problem der Armut wird zumindest nicht umgangen. Auch könne man vielen Journalisten ihr soziales Engagement nicht absprechen. Gleichzeitig werde das Problem der Armut seiner gesellschaftlichen Brisanz beraubt, indem es in Einzelteile zerlegt werde: in Kinderarmut, Altersarmut, in Arbeitslosigkeit, Schwerbehinderte, Migranten, Alleinerziehende oder Hartz-IV-Empfänger. Alles würde getrennt behandelt und auf die Individuen reduziert. So kommen Arlt und Storz zu der Schlussfolgerung: »Prominente und häufige Kommentarthemen sind Reichtum, Armut und die soziale Kluft nicht, um Themen von besonderer Brisanz scheint es sich in den Augen der Redaktionen nicht zu handeln.«

Ähnliches diagnostizieren die Medienexperten für mögliche Auswege: Chancengleichheit und die Sozialpflichtigkeit des Eigentums werden vor al

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