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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2013
Die Suchbürger
Evangelischer Kirchentag: Offen, freundlich, unentschieden
Der Inhalt:

Die Suche nach dem Sinn

von Norbert Copray vom 17.05.2013
Kultur und Natur haben die Religion verdrängt

Frido Mann
Das Versagen der Religion
Betrachtungen eines Gläubigen. Kösel.
176 Seiten. 16,99 €

Mit einer »alarmierenden Bestandsaufnahme« startet Frido Mann seine grundlegende Analyse. Sie soll seine Antwort auf die Frage vorbereiten, »wozu wir Menschen letztlich bestimmt sind, wer wir sind, welchen inneren Sinn wir unserem anfälligen und gefährdeten Leben abgewinnen können und welche ethischen Grundwerte wir uns zu eigen machen sollen«. Dabei ist für ihn wichtig, dass »durch die innere Erstarrung und Verarmung der sich auch noch gegenseitig bekämpfenden Religionsgemeinschaften« ein Vakuum droht. Dies mache den Menschen bewusst, »wie sehr sie darauf angewiesen sind, auf ihre Frage nach dem inneren Sinn ihres Lebens eine Antwort außerhalb der betreffenden Religionen zu suchen«.

Frido Mann entfaltet seine Überlegungen teilweise entlang seiner interessanten Biografie. Im literarisch geprägten Familienverbund der Schriftstellerfamilie Mann im kalifornischen Exil aufgewachsen – er ist der Enkel von Thomas Mann und lebte zeitweilig bei seiner Großmutter Katia in der Schweiz –, lässt er sich nach Musik- und katholischem Theologiestudium mit Promotion als klinischer Psychologe ausbilden und arbeitete in einer Psychiatrie, danach in der Krebsstation einer Kinderklinik. Dabei verliert er seinen »sicheren religiösen Halt«, obwohl er einst zum Katholizismus konvertiert war.

Durch die Arbeit mit den Kranken, bei denen er in die Schattenzonen und Abgründe des Menschseins geriet, drängte sich ihm auf neue Weise die Frage nach dem Sinn seines Tuns und Seins auf. »Nach und nach wurde mir immer klarer, dass dieses provokative und radikale Infragestellen und Immer-wieder-neu-Fragen-Müssen gerade nicht im Gegensatz zu religiösem Denken und Fühlen stand, sondern im Gegenteil ein Grundmerkmal des mit Religion ursprünglich Gemeinten war.«

Zwar gelten die monotheistischen Religionen offiziell noch als Instanzen für eine solidarische und friedliche Koexistenz der Menschheit. Sie wirken auch noch in Einzelfällen »erfolgreich bei ihrem Bemühen, seelischen Beistand an die in innere Not geratenen Menschen zu vermitteln«, Elend und Armut zu lindern und jungen Generationen geistige Führung zu geben. Doch das wiegt für Mann nicht auf, dass die erschreckende Mehrheit von ihnen mit bigottem Starrsinn in Machtstrategien ve

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