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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2013
Die Suchbürger
Evangelischer Kirchentag: Offen, freundlich, unentschieden
Der Inhalt:

Die Bekehrung der Esther Maria Magnis

von Ilka Scheidgen vom 17.05.2013
»Ich habe zu knien begonnen. Es ist ausgeschwiegen.« Eine junge Rebellin schrieb das bemerkenswerte Buch »Gott braucht dich nicht«

Treffpunkt Schwedterstraße mitten im Berliner Kiez Prenzlauer Berg. Hier ist noch nicht alles aufgehübscht und saniert, Hinterhöfe sind noch bunt und geben einer kreativen Szene Raum. Hier treffe ich mich mit der jungen Autorin Esther Maria Magnis (Jahrgang 1980), die mit ihrem Debüt »Gott braucht dich nicht«, im Herbst letzten Jahres im Rowohlt Verlag erschienen, für Aufsehen sorgte. Seither belegt das Buch kontinuierlich einen der ersten fünf Bestsellerplätze in der Amazon-Rubrik »Religions- & Kirchenkritik«.

Ein nieselig kalter Februartag. Frau Magnis kommt von einem Spaziergang mit Kinderwagen zur verabredeten Stelle. Für ein ungestörtes Gespräch hatte sie ein Café wenige Häuser entfernt von ihrer Wohnung vorgeschlagen. Ich lerne eine sensible junge Frau kennen, die mir schon ein Stück weit aus ihrem autobiografischen Sachbuch, das mich so sehr gefesselt hat, bekannt ist. Aufgewachsen in einer westfälischen Kleinstadt, deren Namen sie mir nicht verraten will, erfahren Esther und ihre Geschwister Stephanie und Johannes durch den Beruf des Vaters als Außenhandelskaufmann eine kosmopolitische Kindheit mit häufigen Auslandsaufenthalten in aller Welt. »Manchmal habe ich meine Klassenkameraden beneidet, dass sie zu Hause in Deutschland ihre Ferien verbringen konnten«, verrät sie mir. Aber es scheint bei ihr einiges anders zu sein als bei Gleichaltrigen. Obwohl die Familie eine gängige Glaubenspraxis übt mit Kirchbesuchen – wechselweise in katholischen und evangelischen Gottesdiensten (die Eltern führen eine ökumenische Ehe) –, rebelliert Esther vor allem gegen das, was ihr in Predigten oder im Unterricht über Gott erzählt wurde, denn es unterscheide sich nicht von dem, was auch in Talkshows unentwegt palavert werde. So stelle sie sich Gott nicht vor, so spießig, so moralisch. »Ich hatte zwar keine Ahnung, was er wollte, aber er interessierte mich einfach, irgendetwas band mich an ihn. Sein Gottsein. Seine Wirklichkeit«, heißt es in ihrem Buch. Manchmal allerdings, wenn in der Kirche von irgendwelchen Regeln die Rede war, konnte sie diese nicht recht nachvollziehen. »Es war in diesem Alter, so mit dreizehn, vierzehn, als ich irgendwie begann, mich leise von Gott zu trennen. Eine Trennung ohne Winken, ohne Tschüs zu sagen.«

Dann aber ereignet sich etwas, das ihre bis dahin heile Welt aus der Bahn wirft. Ihr Vater ist unheilbar an Kr

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