Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2012
Wer war Jesus?
Die neuen Einsichten der Bibelforscher
Der Inhalt:

Niemandskinder

von Monika Herrmann vom 04.05.2012
Sie sind minderjährig und arm, werden im Lieferwagen versteckt, über Grenzen geschleppt und stehen dann plötzlich ganz allein in einer fremden Stadt

Klein und schmal sind sie alle. Jugendliche, die kindlich wirken, die meisten haben eine schwarze Hautfarbe. An einem trüben Regentag besuche ich sie: junge Menschen, die als Flüchtlinge nach Berlin gekommen sind, »minderjährig und unbegleitet«, wie es im Amtsdeutsch heißt.

Mit der Journalistin reden wollen sie nicht. Sie sagen kurz Hallo und wenden sich dann wieder dem Computer zu. Ihre Betreuer bitten um Verständnis und erzählen stellvertretend von den Erfahrungen, die diese Kinder in Afrika mit Krieg, Armut, Gewalt, Mord und Folter gemacht haben. Von zahllosen Grenzüberschreitungen und unendlicher Einsamkeit.

»Wege ins Leben« heißt das Projekt, in dem sich Sozialarbeiter um die jungen Flüchtlinge kümmern. Das Haus im Berliner Villenvorort Dahlem ist eines von rund zwanzig in Berlin, wo sie aufgenommen und wo ihnen im wahrsten Wortsinn Wege ins Leben aufgezeigt werden. Ein modernes Haus mit mehreren Wohnetagen, einer großen Küche und Zimmern, in denen die Flüchtlinge leben. Kenia, Mali, Nigeria, Guinea sind die Länder, aus denen zurzeit die meisten Kinder kommen, erfahre ich. Tagsüber gehen sie zur Schule. Manchmal auch nicht, weil sie keine Lust haben oder sich fremd fühlen zwischen all den weißen Mitschülern. Für manche ist es die erste Schule überhaupt.

Warum sind sie hier? Was hat diese kleinen schmalen Jugendlichen so mutterseelenallein nach Deutschland verschlagen? Viele dieser sehr jungen Menschen, die hier in Berlin und überall in Deutschland Zuflucht suchen, waren Kindersoldaten, erfahre ich von den Betreuern. Die Rebellen haben ihnen schon als Zehnjährigen beigebracht, mit Waffen umzugehen. Spielzeug dagegen hatten sie nie. So klein, wie sie sind, haben fast alle schon Krieg, Terror und Vergewaltigungen miterlebt. Manche der Kinder, die hier in Dahlem leben, haben mit angesehen, wie ihre Väter von Rebellen erschossen wurden. Einer der Sozialarbeiter, Siegfried Pöppel, erzählt von Mohammed, einem Kindersoldaten aus Mali, der mit 17 nach Deutschland kam. Ob er wirklich 17 ist, weiß niemand so genau. Mohammed erzählt gar nichts über das, was er wirklich erlebt hat. Er sei traumatisiert, brauchte dringend eine Therapie, sagt Pöppel. Aber die muss das Jugendamt in Berlin erst bewilligen und finanzieren. Das kann dauern.

Angelika Binias kommt herein. Die Sozialarbeiterin war gerade mit einem Flüchtlingsmädchen beim Arzt. Sie berichtet von Bewohnerinnen, die beschnitten wurden, deren Genitalien ver

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen