Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2012
Wer war Jesus?
Die neuen Einsichten der Bibelforscher
Der Inhalt:

Kritische Anfragen

Die »hohe Christologie«, also die Vergottung Jesu samt leiblicher Auferstehung, wird heute von einer Reihe von Theologen infrage gestellt. Für den katholischen Religionspädagogen Hubertus Halbfas zum Beispiel liegt ein Grund für die »nicht zu übersehende« heutige Glaubenskrise genau in dieser »Mythisierung« Jesu. Er geht davon aus, dass sich Jesus selbst nie als Messias gesehen hat. »An die Stelle der Reich-Gottes-Botschaft Jesu tritt die Verkündigung des Gekreuzigten und Auferstandenen«, verbunden mit seiner Vergöttlichung, urteilt der emeritierte Hochschullehrer. Dafür macht Halbfas vor allem den Apostel Paulus verantwortlich. Der sei am konkreten Leben Jesu gar nicht interessiert gewesen, sondern nur an der Frage, wie denn der Tod Jesu sinnvoll zu deuten sei. Jesu Anliegen aber sei keine Lehre gewesen, sondern eine Lebensweise. »Die Wahrheit eines Christentums, das der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu folgt, überzeugt aus sich heraus«, findet Halbfas. »Diese Wahrheit muss nicht geglaubt, nicht bewiesen und nicht verteidigt werden.«

Halbfas lehnt mit vielen anderen Christen den Glauben an einen die Welt lenkenden, persönlichen Gott ab, also jenen Gott, an den Jesus nach dem Zeugnis der Bibel geglaubt hat und mit dem er sich eng verbunden fühlte. Mit dieser Distanzierung ist die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob die Christen des 21. Jahrhunderts den christologischen Aussagen ihrer »Vorfahren im Glauben«, die sich damals in vielen Deutungen durchaus auch nicht immer einig waren, auf Gedeih und Verderb folgen müssen. Anders gesagt: Glauben die Heutigen dem Glauben der ersten Christen? Können sie es?

Wenn Halbfas das »theistische« Gottesverständnis ablehnt, dann drückt sich darin ein gewisses V