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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2012
Gesellige Einzelgänger
Pilgern: Sich selbst auf der Spur – und vielleicht auch Gott
Der Inhalt:

Fukushima bei Rio?

vom 04.05.2012
Brasilien will neuen Atomreaktor bauen – mit deutscher Hilfe

Es klingt paradox: Während in Deutschland die Menschen den Ausstieg aus der Atomkraft feiern, will die Bundesregierung den Bau eines neuen Kernkraftwerks in Brasilien fördern. Im September 2011 hat die deutsche Bundesregierung die Zusage für eine Hermes-Bürgschaft in Höhe von 1,3 Milliarden Euro für den Bau des brasilianischen Atomreaktors Angra 3 verlängert. Doch ein Gutachten, das von den Umweltorganisationen Greenpeace und Urgewald in Auftrag gegeben wurde, attestiert der geplanten Anlage nun massive Sicherheitsmängel.

»Wir haben das Potenzial einer Katastrophe, die sogar Fukushima übertreffen könnte«, sagte der brasilianische Gutachter Franciso Correa bei der Vorstellung der Expertise. Aufgrund seiner Lage zwischen Meer und Steilhängen sei der geplante Reaktor einem Tsunami oder Erdrutsch praktisch schutzlos ausgeliefert. Barbara Happe von Urgewald nannte es verantwortungslos, eine so gefährliche Anlage zu unterstützen: »Alles, was in Fukushima zur Katastrophe geführt hat, ist auch bei Angra 3 zu finden: falsche Annahmen, ein ungeeigneter Standort und veraltete Technik.«

Bei Hermes-Bürgschaften handelt es sich um staatliche Exportkreditgarantien an deutsche Unternehmen, die sie vor der Zahlungsunfähigkeit lokaler Abnehmer in Schwellen- und Entwicklungsländern absichern. Von der deutschen Milliardenbürgschaft würde der französische Nuklearkonzern Areva profitieren, der einen Standort in Erlangen hat und früher mit Siemens kooperierte.

Medienberichten zufolge verkaufte Deutschland bereits Mitte der 1970er-Jahre mehrere Kernkraftwerke an Brasilien – damals Militärdiktatur. Davon ging bislang nur eines – Angra 2 – mit jahrzehntelanger Verzögerung ans Netz. Der frühere Präsident Luiz Inácio Lula da Silva beschloss 2007, den Bau von Angra 3 wieder aufzunehmen. Derzeit sind 3000 Arbeiter auf der Baustelle für den dritten Atomreaktor in Brasilien tätig.

Die Bundesregierung will über die Exportbürgschaft endgültig entscheiden, sobald Ende März ein von ihr bestelltes zweites Gutachten vorliegt. Oppositionspolitiker und Verbände zweifeln jedoch an der Objektivität dieses Gutachtens, da es von der Firma Areva selbst in Auftrag gegeben und durc

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