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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2012
Wer war Jesus?
Die neuen Einsichten der Bibelforscher
Der Inhalt:

Freunde fürs Leben

von Constanze Bandowski vom 04.05.2012
Menschen mit Behinderung haben es in Georgien besonders schwer. Doch Lewan Kwiliwidse, 27, hat Glück gehabt

Er ist Epileptiker und hat eine schwere psychomotorische Entwicklungsverzögerung: Für Menschen wie Lewan Kwiliwidse ist die therapeutische Versorgung in Georgien erbärmlich. Die meisten leben zurückgezogen in ihren Familien, viele verwahrlosen, weil sich die Angehörigen ihrer »Verrückten« schämen und staatliche Angebote rar sind. Im Jahr 2001 gründeten Familienangehörige mit Unterstützung von Brot für die Welt das heilpädagogische Tageszentrum RHEA. Hier fördern Therapeutinnen, Pädagoginnen und Ehrenamtliche 15 junge Menschen mit Behinderungen.

Ach, ich freue mich so, hier zu sein. Das Zentrum ist mein Leben. Ich komme gerne hierher und vermisse es, wenn ich am Wochenende zu Hause bin. Montags freue ich mich besonders, wenn der Fahrer vor meiner Tür steht, um mich abzuholen. Zu Hause gibt es ja kaum etwas für mich zu tun. Das ist langweilig und ich streite mich dann häufig mit meiner Mutter. Streit ist Stress und Stress ist schlecht. Im Zentrum sehe ich aber meine Freunde Soso und Irakli, das ist gut. Wir haben uns viel zu erzählen. Wir interessieren uns sehr für Politik und hoffen, eines Tages zu Europa zu gehören. Unsere ganze Kultur ist westlich geprägt. Wir Georgier fühlen uns als Europäer – wir sind Europäer! Fragen Sie mal meinen Freund Soso. Der ist unser politischer Kopf. Und ein hervorragender Opernsänger, er kann eine ganze Reihe von klassischen Stücken singen. Am besten die Nationalhymne. Ich habe ein paar Lieder auf meinem Handy, die hören wir auch gerne und dann singen wir dazu.

Ich mag auch Chatuma und die anderen Mädchen. Wir kennen uns ja schon lange. Als ich sechzehn war, kam ich zum ersten Mal hierher. Da hatte das Zentrum gerade geöffnet. Seitdem bin ich hier. Ganz schön lange, nicht wahr? Aber wir wollen hier nicht weg. Elena, Tiko, Keti und all die anderen Erzieherinnen sind toll. Sie zeigen uns so viele Dinge und sie sind immer so freundlich zu uns – das ist wunderbar!

Hier verbringe ich den ganzen Tag mit meinen Freunden. Arbeiten ist wichtig und woanders können wir nicht hin! Unser Tagesablauf ist sehr strukturiert, das hilft uns. Wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, geht es uns nicht gut. Das regt uns zu sehr auf. Manche werden richtig böse. Morgens sitzen wir im Kreis und begrüßen uns. Dann reden wir über das Datum und die Uhrzeit. Das ist nicht immer leicht, gerade am Montag ist es schwierig, denn dann hatten

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