Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2012
Wer war Jesus?
Die neuen Einsichten der Bibelforscher
Der Inhalt:

Das Beste, was es gibt auf der Welt

von Meike Kricke vom 04.05.2012
Meine Freunde sind mein Heimatplanet. Dort treffe ich meine Lieblingsmenschen. Sie sind da, wo mein Glücksgefühl beginnt. Und ich meine nicht die 284 Freunde auf Facebook, sondern die drei, vier, fünf im richtigen Leben

Heute habe ich es getan. Mit drei Klicks war ich dabei. Es dauerte nicht lange und die Maschinerie »Facebook« warb: Entdecke alle deine Freunde. In kurzer Zeit. Du kannst sie alle finden. Alle. Lege dein E-Mail-Adressbuch frei. Zeig uns deinen Skype-Account. Wir bringen deine Freunde zu dir. Alle. Du vergisst niemanden. Alle werden an Bord sein. »Meike, probiere den Freundefinder aus. Finde deine Freunde ganz leicht mit dem automatischen Freundefinder!« Es werden mir Namen angezeigt, die ich zu meinen »Freunden« machen kann: Darunter finde ich Personen und teilweise die passenden Gesichter, die ich seit dem Abitur - gefühlte hundert Jahre - nicht mehr gesehen habe. »Meine Freunde?!« Alle?!

Ein Klick und meine Freundschaftsanfrage ist verschickt. Nach zwei Minuten habe ich sieben Freunde. Nach drei Minuten kann ich zurückblicken auf bereits elf Freunde. Puh. Elf Freunde in drei Minuten. Das fühlt sich gut an. Dann schaue ich mir die Profile der anderen User an: Im Vergleich zu diesen komme ich mir vor wie jemand, der mutterseelenallein im Zimmer hockt und Däumchen dreht. Jemand, der allein ist. Verlassen. Keine Freunde hat. Hier gibt es lange Freundschaftslisten: Die anderen blicken auf 248 oder 341 oder sogar 486 Freundschaften. Okay - nach einer halben Stunde habe ich 14 Freunde. Ich schicke noch eine Freundschaftsanfrage heraus. Will ich wirklich mit dieser Person »befreundet« sein? Ach, der Name ist mir bekannt - die Person dahinter zwar kaum, aber das ist egal. Die Liste wächst. Nach eineinhalb Stunden habe ich schon »29 Freunde«.

Plötzlich spüre ich etwas. Nämlich einen gewissen gesellschaftlichen Druck, der sich in mir aufbaut. Ganz leise. Wie viele Freunde hast du? Wie viele Menschen kennst du? Wie lang ist deine Liste? Wer postet wann was? Wer hat welches Profilbild? Wie stelle ich mich dar? Wie sollen mich die anderen sehen?

Höher, schneller, weiter?

Hat das etwas mit Freundschaft zu tun? Stopp. - Es gibt eins, zwei, drei, vier. Vier Menschen, die ich zu meinen engsten Freunden zähle. Das sind wahre. Keine Waren. So fühlen sich die leeren Namen meiner Liste eher an. Meine wahren Freunde haben nichts von höher, schneller, weiter. Doch während ich mir das bewusst mache, überkommt mich das Gefühl, wie wichtig es ist, von vermeintlich »vielen Freunden« umgeben zu sein. Freundschaft als Prestige, als Markenartikel. Von wegen: Zeig mir deine Freunde und ich sage dir, wer du bis

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen