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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2012
Ende eines Traums?
Die Zukunft der arabischen Revolution
Der Inhalt:

Er will doch nur spielen

von Yasmin Bohrmann vom 04.05.2012
Jan tut nur das, was er will. Er ist 14 und Bundespreisträger bei »Jugend musiziert«. Er will nicht ins Fernsehen oder Deutschlands Superstar werden. Er will einfach nur E-Gitarre spielen, so viel, so gut wie möglich

An diesem Abend sitzt Jan in der Marburger Jazz-Kneipe Cavete auf einem Hocker (zu hoch) an der Bar und nippt aufgekratzt an seiner Cola. Er ist schmal, zart, trägt seit vergangenem Sommer bei jedem Wetter eine Mütze. Warum? »Keine Ahnung«, sagt Jan verschmitzt, »hat jedenfalls nichts zu bedeuten.«

 Sechs Monate lang hat der Schüler sich sonntags im Jazzclub mit Musikern zum Workshop getroffen, er hat Jazz-Standards eingeübt, gejammt. Freudig-gespannt wartet er nun auf den Auftritt seiner Band. Jan ist mit 14 Jahren nicht der Jüngste, Keno, ebenfalls an der E-Gitarre, ist gleich alt, Lukas am Schlagzeug ist erst zwölf. Die meisten anderen Musiker sind Anfang zwanzig bis Ende vierzig, ein paar haben die Fünfzig überschritten. »Das Alter spielt keine Rolle«, sagt Jan. Seine Musik (Blues, Blues-Rock, Jazz) verbindet Generationen. Jan ist stolz, dass er über seine Gitarre so viele Freunde gefunden hat, zumeist Musiker, aus Dresden, Schorndorf, Wuppertal, England, USA. Gerade hat er sich mit einer Gospel-Sängerin aus New Orleans angefreundet. Die meisten wollen ihm helfen, seinen Traum zu verwirklichen. »Am liebsten würde ich schon mit 16 Musik mit Hauptfach E-Gitarre studieren«, sagt Jan. »Mach erst dein Abi«, sagen die Freunde (alle älter). 

Auf der Jazz-Bühne beginnt die Band, die vor Jans Truppe dran ist (»Fly me to the moon«). Was auffällt: Jan weiß meist sehr genau, was er will. Als er sieben ist, will er E-Gitarre spielen. Nicht klassische Gitarre, wie Musikpädagogen den Eltern raten, sondern E-Gitarre. Sein Vater hört in der Heimsauna und der Badewanne Blues und Rock (Jimmy Page, Jimmy Hendrix, Janis Joplin). »Das war Jans musikalische Früherziehung«, scherzen die Eltern.

 Bei einem Grundschul-Musikprojekt muss Jan mit einer Geige auftreten. »Wie eine Wand war das«, erinnert er sich. Auch auf der E-Gitarre ist der Anfang hart. »Die Stahlsaiten runterzudrücken, mit den Kinderfingern, das war ziemlich schwierig.« Das wäre beinahe das Gitarren-Aus gewesen. Da haben sich die Eltern einmal eingemischt. »Wer Gitarre spielen will, muss da durch«, hält ihm der Vater entgegen.

 In der Jazz-Kneipe ist die Vorgänger-Band fertig (zurück vom Mond): Jan, Keno und Lukas drängen sich durch die Menschenmenge in das bemalte Gewölbe zur Bühne. Neben ihnen das Klavier, die Saxofone, die Bass-Gitarre. Dann legen die Musiker einfach so los (»Chitlins con carne« - Rhythm and Blues). De

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