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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2019
Wie christlich ist Ihre Politik?
Fragen an Annegret Kramp-Karrenbauer
Der Inhalt:

Porträt der Künstlerin als junge Frau

von Gesa Wicke vom 19.04.2019

Roman. New York, Ende der 1970er-Jahre – eine junge Frau kommt in die Großstadt, sie ist den weiten, flachen Feldern des ländlichen Minnesota entflohen, um Schriftstellerin zu werden. Lebenshungrig durchstreift sie Manhattan, beschwipst von ihrer neugewonnenen Freiheit taucht sie ein in eine vibrierende Welt aus Kunst und Künstlern, Partys und ranziger Urbanität: »Ich war auf der Suche nach Abenteuern, und ich wusste, dass der Abenteurer leiden muss, ehe er nach unzähligen Widrigkeiten zu Lande und zu Wasser nach Hause kommt oder am Ende von den Göttern ausgelöscht wird.« Siri Hustvedts neuer Roman ist ein sehr persönliches Buch, es erzählt vom Schreiben und vom Schriftstellerinnendasein, vom Suchen und Finden von Geschichten und springt dabei geschickt zwischen verschiedenen Themen, Zeitebenen und Figuren hin und her: Da ist die Geschichte der Nachbarin Lucy, deren klagende Monologe durch die papierdünnen Wände des kleinen Apartments zu der jungen Romanheldin vordringen und für diese immer mehr zur Obsession werden. Da ist die gealterte und erfolgreiche Autorin, die Jahrzehnte später aus dem Hier und Jetzt auf die Anfänge ihres Schaffens zurückblickt und dabei merkliche Parallelen zu Hustvedts eigener Biografie aufweist. Da ist die Geschichte der 94-jährigen Mutter der Schriftstellerin, die mehr und mehr ihr Gedächtnis verliert. Da sind Erinnerungen und Fantasie, verwoben zu einem dichten Text. Alles dominierend aber ist ein Thema, dem Hustvedt bereits in früheren Büchern breiten Raum schenkt: Es geht um Feminismus, um Geschlechterkampf und Rollenklischees und um die Frage, wie sich Frauen in einer männerdominierten Welt behaupten können. Ein wichtiges und stets aktuelles Sujet, auch wenn es im Umfang mitunter fast ein wenig zu viel anmuten mag. Der Lesefreude jedoch tut dies keinen Abbruch. Im Gegenteil, nahezu atemlos folgt man Siri Hustvedt in ihrem außergewöhnlichen Erzählwahn durch die Epochen, von der ersten bis zur letzten Seite.

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