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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2018
Ganz allein
Wie Einsamkeit Mensch und Gesellschaft krank macht – und wie man sie heilen kann
Der Inhalt:

»Wir werden als Verräter beschimpft«

von Krisztian Simon vom 27.04.2018
Nach seiner Wiederwahl ist Viktor Orbán stärker denn je. Hunderttausende vor allem junge Menschen haben Ungarn längst verlassen. Doch eine Minderheit bleibt und streitet für Demokratie und Vielfalt

Mit einem aggressiven und rassistischen Angst-Wahlkampf, vor allem gegen Zuwanderer und Flüchtlinge, hat Viktor Orbáns Fidesz-Partei am 8. April 2018 eine Zweidrittelmehrheit bei den ungarischen Parlamentswahlen erlangt. Doch nicht alle Ungarn haben sie gewählt. Zahlreiche junge Ungarn, die nach der Wende die Demokratie zu schätzen gelernt haben, kämpfen in zivilgesellschaftlichen Organisationen sogar gegen die zunehmend diktatorische Herrschaft in ihrem Land.

Eine von ihnen ist Stefania Kapronczay. Die 34-jährige Juristin streitet dafür, dass Jugendliche mit Behinderungen aus Budapest in der Nähe ihrer Heimatstadt in Heimen leben können, statt hundert Kilometer entfernt von der Hauptstadt und ihren Familien leben zu müssen. Statt sie aufs Abstellgleis zu schieben, müssten ihnen vielmehr Wohnheime mit modernen Therapiekonzepten angeboten werden, meint die Juristin.

Seit fünf Jahren ist Kapronczay Direktorin der Ungarischen Gesellschaft für Freiheitsrechte (TASZ), die sich für die Einhaltung der Menschenrechte in Ungarn einsetzt. Die Nichtregierungsorganisation beobachtet kritisch die Gesetzgebung und bietet Rechtshilfe an. Dabei steht sie vor allem jenen zur Seite, die besonders verletzlich sind: etwa Menschen mit Behinderung, HIV-Infizierten, Homosexuellen. Deshalb steht die Gesellschaft für Freiheitsrechte im Fokus einer Hetzkampagne der ungarischen Regierung. Diese wirft ihr vor, sie wolle die Regierung stürzen und werde durch ausländische Mächte gesteuert. Die Folge: Immer wieder bekommt Kapronczay wütende Anrufe und wird als Verräterin beschimpft, erzählt sie in einem kleinen Café in der Nähe ihres Büros.

Nicht weit entfernt liegt das Donau-Ufer. Kapronczay ist schick gekleidet, trägt ihre langen braunen Haare offen und isst vegetarisch. Es ist 18 Uhr. An diesem Tag hat sie früh Feierabend gemacht, da sie später noch zum Konzert der russischen Punkrock-Band Pussy Riot gehen will. »Solche Termine sind auch Teil meiner Arbeit«, sagt sie. Die Aktivistinnen aus Russland drücken in dieser Nacht ihre Solidarität mit der ungarischen Zivilgesellschaft aus – die jede Unterstützung gebrauchen kann.

Korruption in Regierungskreisen

Sorgen um Ungarn machen sich viele: »Ich war gerade auf einem Forum in Warschau«, berichtet Kapronc

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