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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2018
Ganz allein
Wie Einsamkeit Mensch und Gesellschaft krank macht – und wie man sie heilen kann
Der Inhalt:

Nachgefragt: Was passiert in Gaza?

Fragen an Matthias Schmale, Leiter des UN-Flüchtlingshilfswerks im Gazastreifen

Herr Schmale, im Gazastreifen demonstrieren bis zu 30 000 Palästinenser dafür, dass die UN-Resolution 194, die ihnen ein Recht auf Rückkehr verspricht, umgesetzt wird. Bis zum 15. Mai sollen die Proteste andauern. Wie ist die Lage?

Matthias Schmale: Die Entwicklungen sind besorgniserregend. Es gab in den letzten Monaten vermehrt Selbstmordversuche, teilweise erfolgreich. Noch immer ist die humanitäre Lage in Gaza katastrophal. Die Arbeitslosigkeit steigt und steigt, während die Qualität des Wassers dramatisch abnimmt. Strom gibt es nach wie vor nur wenige Stunden am Tag. Rund eine Million Menschen sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Und der Versöhnungsprozess zwischen Hamas und Fatah ist wohl endgültig zum Erliegen gekommen. Dieser »Marsch der Rückkehr« muss also gesehen werden als Ausdruck einer tiefen Krise.

Wie bewerten Sie die Demonstrationen?

Schmale: Die Palästinenser protestieren zum allergrößten Teil friedlich. Die überwiegende Mehrheit will ihrer Frustration, ihrem Ärger und ihrer Hoffnung auf Rückkehr gewaltfrei Luft machen. Das wird von der Welt nicht genügend zur Kenntnis genommen. Hervorgehoben werden stattdessen einzelne Ausschreitungen und die Rolle der Hamas. Das ist nicht richtig.

Hat die Hamas die Proteste angezettelt?

Schmale: Im Gazastreifen läuft nichts, ohne dass die Hamas es toleriert oder sich einmischt. Die Mehrheit der Demonstranten ist aber nicht aus politischen Gründen da, sondern um ihrer Verzweiflung, Wut und Hoffnungslosigkeit Ausdruck zu verleihen. Sie wünschen sich, dass die Welt