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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2018
Ganz allein
Wie Einsamkeit Mensch und Gesellschaft krank macht – und wie man sie heilen kann
Der Inhalt:

Aufgefallen: Der Baumwächter

von Jan Opielka vom 27.04.2018
Der 31-jährige Jakub Rok kämpft in Polen für den ursprünglichsten aller europäischen Wälder. Der Europäische Gerichtshof gab ihm recht – vorerst

Als die Richter des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in Luxemburg am 17. April ihr Urteil sprachen und die Abholzung des Bialowieza-Urwalds im Osten Polens für Unrecht erklärten, atmete Jakub Rok auf. – Jubelschreie stieß er nicht aus. Der 31-jährige Wissenschaftler aus Warschau gehört der Aktivistengruppe »Lager für den Urwald« an. Im vergangenen Jahr stellten sie sich jenen Holzerntemaschinen in den Weg, denen das Umweltschutzministerium ihre zerstörerische Einfahrt in den ursprünglichsten aller europäischen Wälder gestattet hatte.

Denn auch wenn sich Polens Regierung offiziell dem Votum der EU-Richter beugen will, glauben Rok und seine Mitstreiter kaum daran, dass sie ihr Lager am Rande des Unesco-Weltkulturerbes ruhigen Gewissens räumen können. »Die staatliche Forstgesellschaft will weiter roden – sie arbeitet bereits Pläne aus«, sagt der Geograf und Umweltschützer.

Als Mitarbeiter des Zentrums lokaler und regionaler Europäischer Studien an der Universität Warschau wurde er im Mai 2017 aktiv. Da fuhr schweres Abholzgerät in das Waldgebiet. In Windeseile bündelten Aktivisten den Widerstand. »Der Protest stellt eine neue Qualität in der polnischen Öko-Bewegung dar, es ist eine Initiative von unten« , so Rok.

Der Aktivist ist seit Kindheit mit der Natur verbunden. In der ländlichen Gegend von Warmia (Ermland) geboren, zog er siebenjährig mit seiner Familie nach Warschau. »Als ich da das Gymnasium besuchte, habe ich jede Gelegenheit wahrgenommen, an Ausflügen in die Natur teilzunehmen«, sagt er. Kurz vor dem Abitur begann er, Workshops für Jugendliche zu leiten. Vor vier Jahren war Rok Mitgründer einer der ersten Lebensmittelkooperativen des Landes – mit Bio-Lebensmitteln. Das alles hat zur Folge, dass Roks Doktorarbeit zur Luftverschmutzung in suburbanen Gegenden etwas auf der Strecke bleibt. »Eigentlich wollte ich im kommenden Jahr fertig sein, aber der Urwald fordert seine Zeit«, sagt er und lacht. Wie nachhaltig der Protest ist, davon zeugt nicht nur die Einrichtung eines Lagers am Rande des Urwalds, in dem die Aktivisten leben. Vor Ort ketteten sie sich an Bäume, kartierten verwüstete Gebiete, untersuchten zum Fällen bestimmte Bäume. »Die Ergebnisse wurden als Beweise vor dem EuGH verwendet«, so Rok.

Rund 20 000 Spezies beheimatet der Urwald, darunter

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