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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2017
Die zerrissene Gesellschaft
Was tun gegen den Rechtspopulismus?
Der Inhalt:

»Wichtig ist doch, was die Syrer wollen«

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 28.04.2017
Was muss geschehen, damit endlich Frieden wird in Syrien? Ein Gespräch mit Kristin Helberg

Publik-Forum: Angenommen, Assad würde gestürzt – stoßen dann nicht Dschihadisten in das Machtvakuum in Syrien vor?

Kristin Helberg: Tatsache ist, dass wir im Westen eine enorme Verantwortung für die Radikalisierung der Menschen tragen, weil wir ihr Leid seit Jahren ignorieren. Oppositionelle hatten neue Lehrpläne erarbeitet, unabhängige Medien gegründet und lokale Räte gewählt. Aber wir haben sie im Stich gelassen. Die Aufständischen haben sich islamisiert, weil der Westen die Moderaten zu wenig unterstützt hat und das Geld stattdessen aus Saudi-Arabien, Katar und der Türkei kam. Rebellen erhalten von den USA nur noch Waffen, wenn sie gegen den IS kämpfen – nicht, wenn sie gegen das Regime antreten. Und was macht ein verzweifelter junger Mann, der seine Familie versorgen muss, weil sein Vater verhaftet und sein Bruder tot ist? Er schließt sich Dschihadisten an, weil sie gegen Assad kämpfen und Sold zahlen. Das ist das Versagen des Westens in Syrien.

Teilen Sie die Kritik der Linken an dem Militärschlag Trumps gegen einen syrischen Luftwaffenstützpunkt?

Helberg: Nein. Alle bombardieren Syrien – Assad, Russland, die USA, Großbritannien, Frankreich – jeden Tag sterben dabei Zivilisten und das interessiert niemanden. Aber wenn Trump gezielt und ohne zivile Opfer militärische Infrastruktur bombardieren lässt, schreit die linke Friedensbewegung auf. Wie verlogen!

Was sollte Europa denn jetzt konkret tun?

Helberg: Erstens: die eigene Intervention überdenken. Macht es Sinn, zum jetzigen Zeitpunkt den IS aus der Luft anzugreifen? Nein. Denn dabei sterben viele Zivilisten und der Westen bekämpft ein Symptom, nicht die Ursache. Ursache des Konflikts ist Assads Staatsterrorismus. Deshalb sollte das Regime an der Bombardierung von Wohngebieten gehindert werden, indem der Einsatz von geächteten Waffen wie Fassbomben nadelstichartig sanktioniert wird. Militärisch intervenieren darf nur, wer Zivilisten schützt! Zweitens: Eine klare Botschaft Richtung Damaskus senden. Es wird keinen Wiederaufbau geben, solange Assad an der Macht ist. Und zwar nicht, weil der Westen das Regime stürzen will, sondern weil Syrien mit Assad keinen Frieden finden wird. Es muss doch darum gehen, was die Syrer wollen: ein Ende dieses Albtraums und in Würde und Freiheit leben

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