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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2017
Die zerrissene Gesellschaft
Was tun gegen den Rechtspopulismus?
Der Inhalt:

Verschüttete Milch

von Gitta Düperthal vom 28.04.2017
Macho-Sex am Meeresstrand, Erholung nach dem Kriegseinsatz, Ausbruch aus der Familie: Das Internationale Frauenfilmfestival zeigt den Kampf und die Lust von Frauen in einer Welt, die außer Kontrolle geraten ist

Das Plakat des Internationalen Frauenfilmfestivals zeigt eine Frau mit verstörtem Gesichtsausdruck, in der Hand hält sie ein Glas, aus dem die Milch läuft. Macht die Frau das absichtlich, aus Widerstandsgeist? Oder handelt es sich um eine Geste der Erschütterung über den Zustand einer aus den Fugen geratenen Welt?

Mit klarem Blick auf die Gegenwart hat das Filmfestival in Dortmund das Motto »Alles unter Kontrolle« gewählt. Denn vieles ist außer Kontrolle. Frauenrechte, die als errungen galten, werden wieder zurückgenommen. Patriarchen in Regierungsverantwortung maßen sich an, Frauenrechtsorganisationen Geld zu streichen, zu beurteilen, was in ihren Augen »sittlich« ist.

In diesem Spannungsfeld waren die 120 Filme von Regisseurinnen aus 31 Ländern angesiedelt, die während des dreißigsten Internationalen Frauenfilmfestivals gezeigt wurden. Das Festival setzte sich auch mit der Lebenswirklichkeit von Frauen in Krisenregionen auseinander: Es dokumentiert die Folgen zunehmender sexueller Gewalt in Südafrika, der Flucht einer Frau vor Unterdrückung in der eigenen Familie im Libanon, die traumatischen Erlebnisse von Soldatinnen nach einem Militäreinsatz in Afghanistan. Auch die Rolle der Frau im Mikrokosmos Familie wurde thematisiert – oft augenzwinkernd und humorvoll.

Dem Kontrollverlust im Politikgeschehen zu trotzen und Alltagsgeschichten der Hoffnung dagegenzusetzen ist eine Stärke des Festivals. Der Film »I am truly a drop of sun on earth« (Ich bin wahrhaftig nur ein Sonnentropfen auf der Erde) erzählt die wunderbare Liebesgeschichte zweier Gestrandeter in der Hauptstadt Georgiens. Der Schweizer Spielfilm, inszeniert von der in Tiflis geborenen Regisseurin Elene Naveriani, zeigt minimalistisch in Schwarz-Weiß, wie zwei von der Gesellschaft Ausgestoßene zueinanderfinden: Beide haben alles verloren. Der Nigerianer Dije hat den amerikanischen Traum von einer besseren Zukunft geträumt, wollte nach Georgia in den USA. Stattdessen strandete er durch ein Missverständnis in Georgien. Dort sitzt er ohne Perspektive fest. Die 34-jährige April verdient ihr Geld dort illegal mit Prostitution, wurde bei einer Polizeirazzia erwischt und ist gerade aus dem Gefängnis entlassen worden. Scheinbar haben sie beide die Kontrolle über ihr Leben verloren. Doch indem sie einander zuhören – allen widrigen Umständen zum Trotz –, setzen sie den von den Obrigkeiten propagierten Vorurteilen ih

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