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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2017
Die zerrissene Gesellschaft
Was tun gegen den Rechtspopulismus?
Der Inhalt:

»Ich will wirken in dieser Zeit«

von Anne Strotmann vom 28.04.2017
Ihre Kunst ergreift die Menschen bis heute: Käthe Kollwitz war Humanistin und Ausnahmekünstlerin. Zu ihrem 150. Geburtstag ist in Köln eine Sonderausstellung zum Zyklus »Bauernkrieg« zu sehen

Käthe Kollwitz zoomt die alte Bäuerin heran, alles ist auf sie hin verdichtet: Auf die Sense gestützt, der tödlichen Erschöpfung nahe, hält die Bäuerin den Wetzstein in der kräftigen Hand. Die erloschenen Augen erleuchtet ein Geistesblitz: Die Sense, mit der sie ein Leben lang für die Herren geschuftet hat, wird zur Waffe. Sie wird sich der angeblich gottgewollten Ordnung des Mittelalters nicht länger fügen. Die Neuzeit bricht an und mit ihr der Aufstand der erniedrigten Bauern.

Das Blatt gehört zu Käthe Kollwitz’ grafischem Zyklus »Bauernkrieg« (1901–1908). Zum 150. Geburtstag der Künstlerin präsentiert das Käthe Kollwitz Museum Köln die Sonderausstellung »Aufstand«, die sich ganz diesem Zyklus widmet. Dem fertigen Werk sind hier zahlreiche Vorstudien beigestellt: Man kann nachvollziehen, wie sich der Zyklus entwickelte, wie sich Kollwitz an den Szenen motivisch und technisch abarbeitete.

Die in Vorstufen noch vorhandenen allegorischen Figuren, üblich für die Kunst dieser Zeit, verschwinden aus den Bildern. Kollwitz reduziert Szenen, die anfangs noch erzählerisch sind, so lange, bis ein einzelner Eindruck übrig bleibt: ein Gesicht, eine Haltung, ein Gefühl, das jeder sofort versteht.

Für die Sonderausstellung kann das Museum zum größten Teil auf seine eigenen Bestände zurückgreifen: Es beherbergt die umfangreichste und geschlossenste Kollwitz-Sammlung der Welt. Direktorin Hannelore Fischer wirkt dort seit der Gründung 1985 – und ist immer noch fasziniert von der Ausnahmekünstlerin: »Ich habe mich über ihre Tagebücher in Käthe Kollwitz verliebt.«

Denn Kollwitz’ schriftlicher Nachlass ist ebenso eindrucksvoll verdichtet wie ihre Radierungen und Skulpturen. 1922 notiert sie: „Ich will wirken in dieser Zeit, in der die Menschen so ratlos und hilfsbedürftig sind.« So liebevoll sie die Menschen ansah, so aufmerksam zeichnete sie sie auch. Sie ist im Gedächtnis geblieben als Künstlerin, die Elend anprangerte und für Frieden und Gerechtigkeit eintrat. Kaum einer, der nicht wenigstens eines ihrer Plakate kennt, darunter »Deutschlands Kinder hungern« oder »Nie wieder Krieg«, das zu einer Ikone der Friedensbewegung wurde.

Die am 8. Juli 1867 in Königsberg in Preußen geborene Käthe Kollwitz war in ihren jungen Jahren fasziniert von Aufstand und Revolution und träumte von Barrikadenkämpfen. Das sol

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