Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2017
Die zerrissene Gesellschaft
Was tun gegen den Rechtspopulismus?
Der Inhalt:

Thesen an der Kreißsaaltür

von Eva-Maria Lerch vom 28.04.2017
Vorgespräch: Wozu brauchen wir einen Internationalen Hebammentag am 5. Mai? Fragen an Susanne Steppat

Publik-Forum: Frau Steppat, Sie sind Hebamme und engagieren sich im Präsidium Ihres Berufsverbands. Jetzt wird am 5. Mai wieder der Hebammentag begangen. Wozu brauchen wir so einen Tag?

Susanne Steppat: Auf der ganzen Welt gehen Hebammen am 5. Mai auf die Straße. Denn noch immer sterben weltweit Millionen Mütter und Säuglinge während der Schwangerschaft, Geburt und im Wochenbett! Die Frauen werden oft auch so schlecht versorgt, dass sie nach unzureichend betreuten Geburten lebenslange Schäden zurückbehalten. Das will die International Conference of Midwives (ICM), zu der auch wir vom Deutschen Hebammenverband gehören, bekämpfen.

Aber kann so ein Tag etwas verändern? Verpuffen solche Aktionen nicht wieder schnell?

Steppat: Vielleicht bei uns in Deutschland, wo es viele solcher Thementage gibt, den Tag des Brotes, den Tag des Hundes ... Aber in Afrika oder Lateinamerika ist der Hebammentag ein spektakuläres Ereignis, das die Öffentlichkeit aufrüttelt und Schritte zur Veränderung einfordert.

Bei uns im reichen Deutschland haben wir solche medizinischen Probleme ja auch nicht.

Steppat: Nein, bei uns sind die Schwangeren und Gebärenden eher überversorgt mit hochtechnisierter Medizin. Aber sie leiden an einem anderen Mangel: einer Unterversorgung mit Zeit und Zuwendung. Dabei ist die Geburt doch für jede Frau ein eklatantes Ereignis, das sie, ihren Körper und ihr Kind auf massive und naturgewaltige Weise überkommt. Wie ein Erdbeben. Oder ein Tornado. Oder beides zugleich.

Was brauchen Frauen bei der Geburt?

Steppat: In dieser alles überwältigenden Situation ist es wichtig, dass sie Nähe, Ruhe und Trost erfahren, dass sie in einer schützenden Umgebung begleitet sind, dass die Geburt sich natürlich und ohne Zeitdruck entwickeln darf. Aber in deutschen Krankenhäusern ist eine Hebamme meist für mehrere Frauen zuständig, oft für drei, in manchen Kliniken gar für fünf Geburten gleichzeitig. Das liegt an einer falschen Verteilung der finanziellen Ressourcen: Man steckt ungeheuer viel Geld in medizinische Apparaturen, spart aber gleichzeitig am Personal. Der Stress ist so groß, dass manche Hebammen Angst haben, zur Arbeit zu

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen