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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2017
Die zerrissene Gesellschaft
Was tun gegen den Rechtspopulismus?
Der Inhalt:

Kreuzzug für das christliche Abendland

von Sonja Angelika Strube vom 28.04.2017
Religiös und rechts: Wie passt das zusammen? Was die einen entsetzt, machen die anderen zu ihrer Strategie

Schwarz-rot-gelb-gestrichene Kreuze bei Pegida-Märschen, ultrarechte Identitäre auf christlichen Lebensschutzdemonstrationen, meterhohe Holzkreuze auf einem Baugrundstück in Thüringen, auf dem der erste Moscheebau des Landes entstehen soll: Ganz offensichtlich ist der extremen Rechten die christliche Religion nicht gleichgültig.

Viele Christinnen und Christen irritiert das. Es entspricht nicht ihrem religiösen Selbstverständnis, ist doch rechtsextremes Denken nicht gerade für universale Menschenfreundlichkeit bekannt, auch nicht für Lebensschutz, sondern für die Abwertung Andersdenkender und die Befürwortung von Gewalt. Auch galt der christliche Glaube der rechten Szene lange als verweichlicht – und deshalb uninteressant.

Seit geraumer Zeit jedoch erleben wir eine Modernisierung der extremen Rechten. Sie gibt sich ein bürgerliches Erscheinungsbild, reizt die Grenzen zur Strafbarkeit rhetorisch aus, ohne sie zu überschreiten. Anstelle eines in weiten Teilen der Gesellschaft geächteten offenen Antisemitismus sucht sie sich neue Feindbilder mit höherer gesellschaftlicher Anschlussfähigkeit. Erklärtes ideologisches und strategisches Ziel neurechter Intellektueller und Populisten ist das Vordringen in die bürgerliche Mitte und das Entern neuer Milieus. So ist der aktuelle Rechtspopulismus geprägt vom Schmieden milieu-übergreifender Vernetzungen mit fließenden Übergängen von konservativ bis rechtsextrem. Und der Rückgriff auf Versatzstücke des Christlichen hat darin seine Funktionen.

Die Kreuze der Pegida-Gänger wie die auf dem Moscheegelände dienen ganz offensichtlich einer aggressiven Abgrenzung gegenüber Muslimen und dem Islam. Völlig losgelöst von christlichen Werten, persönlicher Religiosität und Kirchenbindung wird eine rein kulturelle kollektive »Wir«-Identität konstruiert, die das Christentum für sich vereinnahmt und ein sogenanntes »christliches Abendland« gegen »den Islam« in Stellung bringt. Entsprechend deutlich ist der Protest von Christinnen, Christen und Kirchen gegen einen solchen Missbrauch christlicher Symbole.

Schwerer zu durchschauen ist das vermeintliche Engagement rechter Gruppen für Familien und Lebensschutz. Hier geht es strategisch darum, mit einem Kernthema der Kirchen christliche Milieus zu entern, die eigene Gruppierung oder Partei als gut bürgerlich und christli

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