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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2017
Die zerrissene Gesellschaft
Was tun gegen den Rechtspopulismus?
Der Inhalt:

Der Provinzreporter

von Eva-Maria Lerch vom 28.04.2017
Aufgefallen: Art Cullen schreibt für eine winzige Lokalzeitung – und legt sich mit Großkonzernen wie Monsanto an. Jetzt kriegt er dafür den Pulitzerpreis

Iowa liegt im mittleren Westen der USA und ist bekannt für weite Landschaft und riesige Maisfelder. »It’s not paradise – it’s Iowa«, spotten amerikanische Studenten über den dünn besiedelten Bundesstaat. Hier, in einer Kleinstadt Iowas, erscheint zweimal die Woche ein kleines Lokalblatt namens Storm Lake Times. Die Redaktion besteht vornehmlich aus zwei Brüdern mit ihren Familien, sie hat ihren Sitz in einem grauen Metallcontainer und eine Auflage von 3300 Exemplaren. Art Cullen ist einer der Brüder, die die Zeitung herausgeben, er ist Reporter, Kolumnist, Layouter und Chefredakteur in einer Person. Anfangs hat er auch die Druckerpresse noch selbst bedient. Und jetzt hat Art Cullen den Pulitzerpreis bekommen – die wichtigste journalistische Auszeichnung der Welt.

Der 59-Jährige ist ein rappeldürrer Mann in Jeans, mit weißen lockigen Haaren, kräftigem Schnurrbart und einer klaren, pointierten, manchmal derben Sprache. Als er die Verleihung des Pulitzerpreises per Livestream verfolgte, soll er »Holy shit, we won!« durch den Metallcontainer gerufen haben. Denn er hatte sich gegen große Konkurrenten wie die Washington Post und den Houston Chronicle durchgesetzt. Noch nie hat eine Zeitung mit so geringer Auflage den begehrten Preis bekommen.

Cullen erhielt ihn für zehn Leitartikel zur Umweltbelastung des lokalen Raccoon Rivers. Ein kommunales Wasserwerk hatte gegen drei der anliegenden Bezirke geklagt und sie beschuldigt, hohe Mengen Nitrat in den Fluss geleitet zu haben. Die beschuldigten Politiker kämpften mit teuren Anwälten gegen die Vorwürfe, verweigerten jedoch die Auskunft, von wem die Verteidigung finanziert wurde. Art Cullen recherchierte mit Hilfe seines Sohnes Tim die Hintergründe. Er stieß auf ein mysteriöses Schwarzgeldkonto und belegte in seiner Zeitung, dass die Verteidigung aus Spenden großer Agrarfirmen, »von Unternehmen wie Monsanto, Koch Brothers und anderen Sugar Daddies«, finanziert werde.

Schon seit der Gründung der Storm Lake Times im Jahre 1990 sind die Cullen-Brüder aufgebracht über die ökologische Veränderung Iowas. »Die Zeiten von Vieh- und Weideland waren vorbei«, sagt Art. Jetzt dominierten Mais- und Sojafelder das Landschaftsbild. Damit stieg die Nitratbelastung, aber das habe die Unternehmer n

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