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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2017
Die zerrissene Gesellschaft
Was tun gegen den Rechtspopulismus?
Der Inhalt:

Im Gewandhaus Gottes

von Hans Torwesten vom 28.04.2017
Was bedeutet die leibliche Auferstehung? Über Jenseitsvorstellungen in den Weltreligionen und das »ewige Jetzt«

Die Auffassungen von einem Leben nach dem Tod sind im Christentum alles andere als einheitlich. Die Vorstellung von einem himmlischen Jenseits drang erst sehr spät in die Bibel ein. Und als die Hoffnung der frühen Christen auf ein direktes Hereinbrechen des Gottesreiches oder auf ein rasches Wiederkommen Christi langsam erlahmte, füllte auch platonisches Gedankengut – vor allem die Trennung von Seele und Leib – die entstandene Lücke.

Gegen eine solche platonische Trennung polemisiert heute vor allem die »Ganztod«-Lehre, auf die sich die meisten protestantischen, aber auch viele katholische Theologen geeinigt haben. Diese Lehre beruft sich einerseits auf das »biblische« Denken, das diese Trennung nicht kennt, und andererseits auf die moderne »Ganzheits«-Auffassung des Menschen. Demnach trennt sich im Tod kein Seelenteil von der körperlichen Hülle, sondern der »ganze« Mensch stirbt zuerst einmal mit Leib und Seele – um dann jedoch (wann?) von Gott auf wunderbare Weise wieder auferweckt zu werden, sogar leiblich.

Manche Christen haben den Glauben an ein solches Wunder längst aufgegeben. Sie vertreten ein Christsein ohne Jenseitsglauben und begnügen sich mit dem Kampf im Diesseits für eine gerechtere Welt. Andere glauben durchaus an ein Leben nach dem Tode, aber sie denken eher an »natürliche« Übergänge ins Jenseits – und nicht so sehr an ein absolutes Wunder im Sinne einer göttlichen Neuschöpfung. Altes platonisches Wissen vermischt sich hier mit einer Volksfrömmigkeit, die noch weiß, dass man nach dem Tode »heimgeht«. So manche vom Pietismus inspirierte Kantate von Bach atmet diesen Geist, und auch der Katholizismus hat, abgesehen von der offiziellen Katheder-Theologie, die Nabelschnur zu den Jenseitswelten noch nicht gekappt.

Übergang oder Neuschöpfung?

Diese Auffassung sieht sich heute unterstützt von einer stetig anschwellenden Literatur, die sich mit dem Sterben, Nahtoderlebnissen, spirituellen Träumen und Jenseitsberichten auseinandersetzt. Es ist eine recht breite Bewegung, die man nicht einfach in die Esoterik-Ecke abschieben kann. Und manche, denen das Gespür für organische Übergänge sympathisch ist, während sie mit abrupten Auferstehungswundern nichts anfangen können, sympathisieren gleich mit der Reinkarnationslehre, die ja in den mystischen Traditionen des Ostens Allgemeingut ist und auch im Westen immer mehr Anhänger f

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